Beantwortung der Frage:
Was ist Aufklärung?

Immanuel Kant

(Königsberg in Preußen, den 30. Septemb. 1784.)

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalsten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur Wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.

Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden. Besonders ist hierbei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie danach selbst zwingt darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt worden; so schädlich ist es Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotismus und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden ebensowohl als die alten zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: räsonniert nicht! Der Offizier sagt: räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: räsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: räsonniert nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: räsonniert, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; aber gehorcht!) Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich? welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? - Ich antworte: der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauch seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf.

Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittels dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet, oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt, zu räsonnieren; sondern man muß gehorchen. So fern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet: kann er allerdings räsonnieren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Teile als passives Glied angesetzt ist. So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen. Der Bürger kann sich nicht weigern, die ihm auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden. Eben derselbe handelt demungeachtet der Pflicht eines Bürgers nicht entgegen, wenn er als Gelehrter wider die Unschicklichkeit oder auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen öffentlich seine Gedanken äußert. Ebenso ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeinde nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu tun; denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte. Denn was er infolge seines Amts als Geschäftträger der Kirche lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung dessen er nicht freie Gewalt hat nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines anderen vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Überzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der inneren Religion Widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch: weil diese immer nur eine häusliche, obwohl noch so große Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er als Priester nicht frei und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt, spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft genießt einer uneingeschränkte Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

Aber sollte nicht eine Gesellschaft von Geistlichen, etwa eine Kirchenversammlung, oder eine ehrwürdige Classis (wie sie sich unter den Holländern selbst nennt), berechtigt sein, sich eidlich untereinander auf ein gewisses unveränderliches Symbol zu verpflichten, um so eine unaufhörliche Obervormundschaft über jedes ihrer Glieder und vermittels ihrer über das Volk zu führen und diese sogar zu verewigen? Ich sage: das ist ganz unmöglich. Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklärung vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen würde, ist schlechterdings null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt, durch Reichstage und die feierlichsten Friedensschlüsse bestätigt sein. Ein Zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmöglich werden muß, seine (vornehmlich so sehr angelegentliche) Erkenntnisse zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiter zu schreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten besteht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse, als unbefugter und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen. Der Probierstein alles dessen, was über ein Volk als Gesetz beschlossen werden kann, liegt in der Frage: ob ein Volk sich selbst wohl ein solches Gesetz auferlegen könnte. Nun wäre dieses wohl gleichsam in der Erwartung eines besseren auf eine bestimmte kurze Zeit möglich, um eine gewisse Ordnung einzuführen: indem man es zugleich jedem der Bürger, vornehmlich dem Geistlichen frei ließe, in der Qualität eines Gelehrten öffentlich, d.i. durch Schriften, über das Fehlerhafte der dermaligen Einrichtung seine Anmerkungen zu machen, indessen die eingeführte Ordnung noch immer forzdauerte, bis die Einsicht in die Beschaffenheit dieser Sachen öffentlich so weit gekommen und bewährt worden, daß sie durch Vereínigung ihrer Stimmen (wenngleich nicht aller) einen Vorschlag vor den Thron bringen könnte, um diejenigen Gemeinden in Schutz zu nehmen, die sich etwa nach ihren Begriffen der besseren Einsicht zu einer veränderten Religionseinrichtung geeinigt hätten, ohne doch diejenigen zu hindern, die es beim Alten wollten bewenden lassen. Aber auf eine beharrliche, von Niemanden öffentlich zu bezweifelnde Religionsverfassung auch nur binnen der Lebensdauer eines Menschen sich zu einigen und dadurch einen Zeitraum in dem Fortgange der Menschheit zur Verbesserung gleichsam zu vernichten und fruchtlos, dadurch aber wohl gar der Nachkommenschaft nachteilig zu machen, ist schlechterdings unerlaubt. Ein Mensch kann zwar für seine Person und auch alsdann nur auf einige Zeit in dem, was ihm zu wissen obliegt, die Aufklärung aufschieben; aber auf sie Verzicht zu tun, es sei für seine Person, mehr aber noch für die Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten. Was aber nicht einmal ein Volk über sich selbst beschließen darf, das darf noch weniger ein Monarch über das Volk beschließen; denn sein gesetzgebendes Ansehen beruht eben darauf, daß er den gesamten Volkswillen in dem seinigen vereinigt. Wenn er nur darauf sieht, daß alle wahre oder vermeintliche Verbesserung mit der bürgerlichen Ordnung zusammen bestehe: so kann er seine Untertanen übrigens nur selbst machen lassen, was sie um ihres Seelenheils willen zu tun nötig finden; das geht ihn nichts an, wohl aber zu verhüten, daß nicht einer den andern gewalttätig hindere, an der Bestimmung und Beförderung desselben nach allem seinem Vermögen zu arbeiten. Es tut selbst seiner Majestät Abbruch, wenn er sich hier einmischt, indem er die Schriften, wodurch seine Untertanen ihre Einsichten ins Reine zu bringen suchen, seiner Regierungsaufsicht würdigt, sowohl wenn er dieses aus eigener höchster Einsicht tut, wo er sich dem Vorwurfe aussetzt: Caesar non est supra Grammaticos, als auch und noch weit mehr, wenn er seine oberste Gewalt so weit erniedrigt, den geistlichen Despotismus einiger Tyrannen in seinem Staate gegen seine übrigen Untertanen zu unterstützen.

Wenn denn nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung. Daß die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im Ganzen genommen, schon imstande wären, oder darin auch nur gesetzt werden könnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Anderen sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel. Allein daß jetzt ihnen doch das Feld geöffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten, und die Hindernisse der allgemeinen Aufklärung, oder des Ausganges aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit allmählich weniger werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen. In diesem Betracht ist dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklärung, oder das Jahrhundert Friederichs.

Ein Fürst, der es seiner nicht unwürdig findet, zu sagen: daß er es für Pflicht halte, in Religionsdingen den Menschen nichts vorzuschreiben, sondern ihnen darin volle Freiheit zu lassen, der also selbst den hochmütigen Namen der Toleranz von sich ablehnt, ist selbst aufgeklärt und verdient von der dankbaren Welt und Nachwelt als derjenige gepriesen zu werden, der zuerst das menschliche Geschlecht der Unmündigkeit wenigstens von Seiten der Regierung entschlug und Jedem frei ließ, sich in allem, was Gewissensangelegenheit ist, seiner eigenen Vernunft zu bedienen. Unter ihm dürfen verehrungswürdige Geistliche unbeschadet ihrer Amtspflicht ihre vom angenommenen Symbol hier oder da abweichenden Urteile und Einsichten in der Qualität der Gelehrten frei und öffentlich der Welt zur Prüfung darlegen; noch mehr aber jeder andere, der durch keine Amtspflicht eingeschränkt ist. Dieser Geist der Freiheit breitet sich außerhalb aus, selbst da, wo er mit äußeren Hindernissen einer sich selbst mißverstehenden Regierung zu ringen hat. Denn es leuchtet dieser doch ein Beispiel vor, daß bei Freiheit für die öffentliche Ruhe und Einigkeit des gemeinen Wesens nicht das Mindeste zu besorgen sei. Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Roheit heraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt, um sie darin zu erhalten.

Ich habe den Hauptpunkt der Aufklärung, d.i. des Ausgangs der Menschen aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit, vorzüglich in Religionssachen gesetzt: weil in Ansehung der Künste und Wissenschaften unsere Beherrscher kein Interesse haben, den Vormund über ihre Untertanen zu spielen; überdem auch jene Unmündigkeit, so wie die schädlichste, also auch die entehrendste unter allen ist. Aber die Denkungsart eines Staatsoberhaupts, der die erstere begünstigt, geht noch weiter und sieht ein: daß selbst in Ansehung seiner Gesetzgebung es ohne Gefahr sei, seinen Untertanen zu erlauben, von ihrer eigenen Vernunft öffentlichen Gebrauch zu machen und ihre Gedanken über eine bessere Abfassung derselben sogar mit einer freimütigen Kritik der schon gegebenen der Welt öffentlich vorzulegen; davon wir ein glänzendes Beispiel haben, wodurch noch kein Monarch demjenigen vorging, welchen wir verehren.

Aber auch nur derjenige, der, selbst aufgeklärt, sich nicht vor Schatten fürchtet, zugleich aber ein wohldiszipliniertes zahlreiches Heer zum Bürgen der öffentlichen Ruhe zur Hand hat, kann das sagen, was ein Freistaat nicht wagen darf: räsonniert, soviel ihr wollt, und worüber ihr wollt; nur gehorcht! So zeigt sich hier ein befremdlicher, nicht erwarteter Gang menschlicher Dinge; so wie auch sonst, wenn man ihn im Großen betrachtet, darin fast alles paradox ist. Ein größerer Grad bürgerlicher Freiheit scheint der Freiheit des Geistes des Volks vorteilhaft und setzt ihr doch unübersteigliche Schranken; ein Grad weniger von jener verschafft hingegen diesem Raum, sich nach allem seinem Vermögen auszubreiten. Wenn denn die Natur unter dieser harten Hülle den Keim, für den sie am zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Beruf zum freien Denken, ausgewickelt hat: so wirkt dieser allmählig zurück auf die Sinnesart des Volks (wodurch dieses der Freiheit zu handeln nach und nach fähiger wird) und endlich auch sogar auf die Grundsätze der Regierung, die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln.

A Response to the Question:
What Is Enlightenment?

by Immanuel Kant

(Konigsberg in Prussia, 30th September, 1784.)

Enlightenment is man's emergence from his self-incurred immaturity. Immaturity is the inability to use one's own understanding without the guidance of another. This immaturity is self-incurred if its cause is not lack of understanding, but lack of resolution and courage to use it without the guidance of another. The motto of enlightenment is therefore: Sapere aude! Have courage to use your own understanding!


Laziness and cowardice are the reasons why such a large proportion of men, even when nature has long emancipated them from alien guidance (naturaliter maiorennes), nevertheless gladly remain immature for life. For the same reasons, it is all too easy for others to set themselves up as their guardians. It is so convenient to be immature! If I have a book to have understanding in place of me, a spiritual adviser to have a conscience for me, a doctor to judge my diet for me, and so on, I need not make any efforts at all. I need not think, so long as I can pay; others will soon enough take the tiresome job over for me. The guardians who have kindly taken upon themselves the work of supervision will soon see to it that by far the largest part of mankind (including the entire fair sex) should consider the step forward to maturity not only as difficult but also as highly dangerous. Having first infatuated their domesticated animals, and carefully prevented the docile creatures from daring to take a single step without the leading-strings to which they are tied, they next show them the danger which threatens them if they try to walk unaided. Now this danger is not in fact so very great, for they would certainly learn to walk eventually after a few falls. But an example of this kind is intimidating, and usually frightens them off from further attempts.


Thus it is difficult for each separate individual to work his way out of the immaturity which has become almost second nature to him. He has even grown fond of it and is really incapable for the time being of using his own understanding, because he was never allowed to make the attempt. Dogmas and formulas, those mechanical instruments for rational use (or rather misuse) of his natural endowments, are the ball and chain of his permanent immaturity. And if anyone did throw them off, he would still be uncertain about jumping over even the narrowest of trenches, for he would be unaccustomed to free movement of this kind. Thus only a few, by cultivating their own minds, have succeeded in freeing themselves from immaturity and in continuing boldly on their way.


There is more chance of an entire public enlightening itself. This is indeed almost inevitable, if only the public concerned is left in freedom. For there will always be a few who think for themselves, even among those appointed as guardians of the common mass. Such guardians, once they have themselves thrown off the yoke of immaturity, will disseminate the spirit of rational respect for personal value and for the duty of all men to think for themselves. The remarkable thing about this is that if the public, which was previously put under this yoke by the guardians, is suitably stirred up by some of the latter who are incapable of enlightenment, it may subsequently compel the guardians themselves to remain under the yoke. For it is very harmful to propagate prejudices, because they finally avenge themselves on the very people who first encouraged them (or whose predecessors did so). Thus a public can only achieve enlightenment slowly. A revolution may well put an end to autocratic despotism and to rapacious or power-seeking oppression, but it will never produce a true reform in ways of thinking. Instead, new prejudices, like the ones they replaced, will serve as a leash to control the great unthinking mass.

For enlightenment of this kind, all that is needed is freedom. And the freedom in question is the most innocuous form of all — freedom to make public use of one's reason in all matters. But I hear on all sides the cry: Don't argue! The officer says: Don't argue, get on parade! The tax-official: Don't argue, pay! The clergyman: Don't argue, believe! (Only one ruler in the world says: Argue as much as you like and about whatever you like, but obey!). All this means restrictions on freedom everywhere. But which sort of restriction prevents enlightenment, and which, instead of hindering it, can actually promote it ? I reply: The public use of man's reason must always be free, and it alone can bring about enlightenment among men; the private use of reason may quite often be very narrowly restricted, however, without undue hindrance to the progress of enlightenment. But by the public use of one's own reason I mean that use which anyone may make of it as a man of learning addressing the entire reading public. What I term the private use of reason is that which a person may make of it in a particular civil post or office with which he is entrusted.

Now in some affairs which affect the interests of the commonwealth, we require a certain mechanism whereby some members of the commonwealth must behave purely passively, so that they may, by an artificial common agreement, be employed by the government for public ends (or at least deterred from vitiating them). It is, of course,impermissible to argue in such cases; obedience is imperative. But in so far as this or that individual who acts as part of the machine also considers himself as a member of a complete commonwealth or even of cosmopolitan society, and thence as a man of learning who may through his writings address a public in the truest sense of the word, he may 'indeed argue without harming the affairs in which he is employed for some of the time in a passive capacity. Thus it would be very harmful if an officer receiving an order from his superiors were to quibble openly, while on duty, about the appropriateness or usefulness of the order in question. He must simply obey. But he cannot reasonably be banned from making observations as a man of learning on the errors in the military service, and from submitting these to his public for judgement. The citizen cannot refuse to pay the taxes imposed upon him; presumptuous criticisms of such taxes, where someone is called upon to pay them, may be punished as an outrage which could lead to general insubordination. Nonetheless, the same citizen does not contravene his civil obligations if, as a learned individual, he publicly voices his thoughts on the impropriety or even injustice of such fiscal measures. In the same way, a clergyman is bound to instruct his pupils and his congregation in accordance with the doctrines of the church he serves, for he was employed by it on that condition. But as a scholar, he is completely free as well as obliged to impart to the public all his carefully considered, well-intentioned thoughts on the mistaken aspects of those doctrines, and to offer suggestions for a better arrangement of religious and ecclesiastical affairs. And there is nothing in this which need trouble the conscience. I;or what he teaches in pursuit of his duties as an active servant of the church is presented by him as something which he is not empowered to teach at his own discretion, but which he is employed to expound in a prescribed manner and in someone else's name. He will say: Our church teaches this or that, and these are the arguments it uses. He then extracts as much practical value as possible for his congregation from precepts to which he would not himself subscribe with full conviction, but which he can nevertheless undertake to expound, since it is not in fact wholly impossible that they may contain truth. At all events, nothing opposed to the essence of religion is present in such doctrines. For if the clergyman thought he could find anything of this sort in them, he would not be able to carry out his official duties in good conscience, and would have to resign. Thus the use which someone employed as a teacher makes of his reason in the presence of his congregation is purely private, since a congregation, however large it is, is never any more than a domestic gathering. In view of this, he is not and cannot be free as a priest, sin¶ he is acting on a commission imposed from outside. Conversely, as a scholar addressing the real public (i.e. the world at large) through his writings, the clergyman making public use of his reason enjoys unlimited freedom to use his own reason and to speak in his own person. For to maintain that the guardians of the people in spiritual matters should themselves be immature, is an absurdity which amounts to making absurdities permanent.

But should not a society of clergymen, for example an ecclesiastical synod or a venerable presbytery (as the Dutch call it), be entitled to commit itself by oath to a certain unalterable set of doctrines, in order to secure for all time a constant guardianship over each of its members, and through them over the people ? I reply that this is quite impossible. A contract of this kind,concluded with a view to preventing all further enlightenment of mankind for ever, is absolutely null and void, even if it is ratified by the supreme power, by Imperial Diets and the most solemn peace treaties. One age cannot enter into an alliance on oath to put the next age in a position where it would be impossible for it to extend and correct its knowledge, particularly on such important matters, or to make any progress whatsoever in enlightenment. This would be a crime against human nature, whose original destiny lies precisely in such progress. Later generations are thus perfectly entitled to dismiss these agreements as unauthorised and criminal. To test whether any particular measure can be agreed upon as a law for a people, we need only ask whether a people could well impose such a law upon itself. This might well be possible for a specified short period as a means of introducing a certain order, pending, as it were, a better solution. This would also mean that each citizen, particularly the clergyman, would be given a free hand as a scholar to comment publicly, i.e. in his writings, on the inadequacies of current institutions. Meanwhile, the newly established order would continue to exist, until public insight into the nature of such matters had progressed and proved itself to the point where, by general consent (if not unanimously), a proposal could be submitted to the crown. This would seek to protect the congregations who had, for instance, agreed to alter their religious establishment in accordance with their own notions of what higher insight is, but it would not try to obstruct those who wanted to let things remain as before. But it is absolutely impermissible to agree, even for a single lifetime, to a permanent religious constitution which no-one might publicly question. For this would virtually nullify a phase in man's upward progress, thus making it fruitless and even detrimental to subsequent generations. A man may for his own person, and even then only for a limited period, postpone enlightening himself in matters he ought to know about. But to renounce such enlightenment completely, whether for his own person or even more so for later generations, means violating and trampling underfoot the sacred rights of mankind. But something which a people may not even impose upon itself can still less be imposed upon it by a monarch; for his legislative authority depends precisely upon his uniting the collective will of the people in his own. So long as he sees to it that all true or imagined improvements are compatible with the civil order, he can otherwise leave his subjects to do whatever they find necessary for their salvation, which is none of his business. But it is his business to stop anyone forcibly hindering others from working as best they can to define and promote their salvation. It indeed detracts from his majesty if he interferes in these affairs by subjecting the writings in which his subjects attempt to clarify their religious ideas to governmental supervision. This applies if he does so acting upon his own exalted opinions — in which case he exposes himself to the reproach: Caesar non est supra Grammaticos — but much more so if he demeans his high authority so far as to support the spiritual despotism of a few tyrants within his state against the rest of his subjects.





If it is now asked whether we at present live in an enlightened age, the answer is: No, but we do live in an age of enlightenment. As things are at present, we still have a long way to go before men as a whole can be in a position (or can ever be put into a position) of using their own understanding confidently and well in religious matters, without outside guidance. But we do have distinct indications that the way is now being cleared for them to work freely in this direction, and that the obstacles to universal enlightenment, to man's emergence from his self-incurred immaturity, are gradually becoming fewer. In this respect our age is the age of enlightenment, the century of Frederick.

A prince who does not regard it as beneath him to say that he considers it his duty, in religious matters, not to prescribe anything to his people, but to allow them complete freedom, a prince who thus even declines to accept the presumptuous title of tolerant, is himself enlightened. He deserves to be praised by a grateful present and posterity as the man who first liberated mankind from immaturity (as far as government is concerned), and who left all men free to use their own reason in all matters of conscience. Under his rule, ecclesiastical dignitaries, notwithstanding their official duties, may in their capacity as scholars freely and publicly submit to the judgement of the world their verdicts and opinions, even if these deviate here Ind there from orthodox doctrine. This applies even more to all others who are not restricted by any official duties. This spirit of freedom is also spreading abroad, even where it has to struggle with outward obstacles imposed by governments which misunderstand their own function. For such governments an now witness a shining example of how freedom may exist without in the least jeopardising public concord and the unity of the commonwealth. Men will of their own accord gradually work their way out of barbarism so long as artificial measures are not deliberately adopted to keep them in it.

I have portrayed matters of religion as the focal point of enlightenment, i.e. of man's emergence from his self-incurred immaturity. This is firstly because our rulers have no interest in assuming the role of guardians over their subjects so far as the arts and sciences are concerned, and secondly, because religious immaturity is the most pernicious and dishonourable variety of all. But the attitude of mind of a head of state who favours freedom in the arts and sciences extends even further, for he realises that there is no danger even to his legislation if he allows his subjects to make public use of their own reason and to put before the public their thoughts on better ways of drawing up laws, even if this entails forthright criticism of the current legislation. We have before us a brilliant example of this kind, in which no monarch has yet surpassed the one to whom we now pay tribute.

But only a ruler who is himself enlightened and has no far of phantoms, yet who likewise has at hand a well-disciplined and numerous army to guarantee public security, may say what no republic would dare to say: Argue as much as you like and about whatever you like, but obey! This reveals to us a strange and unexpected pattern in human affairs (such as we shall always find if we consider them in the widest sense, in which nearly everything is paradoxical). A high degree of civil freedom seems advantageous to a people's intellectual freedom, yet it also sets up insuperable barriers to it. Conversely, a lesser degree of civil freedom gives intellectual freedom enough room to expand to its fullest extent. Thus once the germ on which nature has lavished most care — man's inclination and vocation to think freely — has developed within this hard shell, it gradually reacts upon the mentality of the people, who thus gradually become increasingly able to act freely Eventually, it even influences the principles of governments, which find that they can themselves profit by treating man, who is more than a machine, in a manner appropriate to his dignity.