Zusatz.
Die Wirklichkeit und der Gedanke, näher die Idee, pflegen trivialerweise
einander entgegengesetzt zu werden, und man kann demgemäß häufig sagen
hören, gegen die Richtigkeit und Wahrheit eines gewissen Gedankens
sei zwar nichts einzuwenden, allein dergleichen finde sich nicht in
der Wirklichkeit oder sei in der Wirklichkeit nicht auszuführen.
Diejenigen, welche so sprechen, beweisen indes dadurch, daß sie weder
die Natur des Gedankens, noch die der Wirklichkeit gehörig aufgefaßt
haben. Einerseits nämlich wird bei solchen Reden der Gedanke als
gleichbedeutend mit subjektiver Vorstellung, Plan, Absicht und dergleichen
und andererseits die Wirklichkeit als gleichbedeutend mit der äußerlichen,
sinnlichen Existenz angenommen. Im gemeinen Leben, wo man es mit
den Kategorien und deren Bezeichnung eben nicht so genau nimmt, mag
dergleichen hingehen und mag es immerhin der Fall sein, daß z.B. der
Plan oder die sogenannte Idee einer gewissen Steuereinrichtung an sich
ganz gut und zweckmäßig ist, daß dergleichen aber in der gleichfalls
sogenannten Wirklichkeit sich nicht findet und unter den gegebenen
Verhältnissen nicht durchzuführen ist. Wenn indes der abstrakte
Verstand sich dieser Bestimmungen bemächtigt und ihren Unterschied
dahin steigert, dieselben als einen fixen und festen Gegensatz zu betraten,
dergestalt, daß man in dieser wirklichen Welt sich die Ideen aus dem
Kopfe schlagen müsse, so ist dergleichen im Namen der Wissenschaft
und der gesunden Vernunft auf das entschiedenste von der Hand zu weisen.
Einerseits nämlich stecken die Ideen gar nicht bloß in unseren Köpfen
und ist die Idee überhaupt nicht etwas so Ohnmächtiges, dessen Realisierung
nach unserem Belieben erst zu bewerkstelligen oder auch nicht zu bewerkstelligen
wäre, sondern dieselbe ist vielmehr das schlechthin Wirkende zugleich
und auch Wirkliche, und andererseits ist die Wirklichkeit nicht so
schlecht und unvernüftig, wie gedankenlose oder mit dem Denken zerfallene
und heruntergekommene Praktiker sich einbilden. Die Wirklichkeit,
im Unterschied von der bloßen Erscheinung, zunächst als Einheit des
Inneren und des Äußeren, steht so wenig der Vernunft als ein Anderes
gegenüber, daß dieselbe vielmehr das durchaus Vernünftige ist, und
was nicht vernünftig ist, das ist eben um deswillen auch nicht als
wirklich zu betrachten. Dem entspricht übrigens auch der gebildete
Sprachgebrauch insofern, als man z.B. Anstand nehmen wird, einen Dichter
oder einen Staatsmann, die nichts Tüchtiges und Vernünftiges zustande
zu bringen wissen, als einen wirklichen Dichter oder einen wirklichen
Staatsmann anzuerkennen.—In der hier besprochenen gemeinen Auffassung
der Wirklichkeit und der Verwechslung derselben mit dem Handgreiflichen
und unmittelbar Wahrnehmbaren ist dann auch der Grund jenes weitverbreiteten
Vorurteils hinsichtlich des Verhältnisses der Aristotelischen zur Platonischen
Philosophie zu suchen. Diesem Vorurteil zufolge soll der Unterschied
zwischen Platon und Aristoteles darin bestehen, daß, während der erstere
die Idee und nur die Idee als das Wahre anerkenne, der letztere dagegen
mit Verwerfung der Idee sich an das Wirkliche halte und um deswillen
als der Begründer und Heerführer des Empirismus zu betrachten sei.
Darüber ist zu bemerken, daß allerdings die Wirklichkeit das Prinzip
der Aristotelischen Philosophie bildet, jedoch nicht die gemeine Wirklichkeit
des unmittelbar Vorhandenen, sondern die Idee als Wirklichkeit.
Die Polemik des Aristoteles gegen Platon besteht dann näher darin,
daß die Platonische Idee als bloße
dunamis bezeichnet
und dagegen geltend gemacht wird, daß die Idee, welche von
beiden gleicherweise als das allein Wahre anerkannt wird, wesentlich
als energeia,
d.h. als das Innere, welches
schlechthin heraus ist, somit als die Einheit des Inneren und Äußeren
oder als die Wirklichkeit in dem hier besprochenen emphatischen Sinne
des Wortes zu betrachten sei.
§ 143
Die
Wirklichkeit, als dies Konkrete, enthält jene Bestimmungen und deren
Unterschied, ist darum auch die Entwicklung derselben, so daß sie an
ihr zugleich als Schein, als nur Gesetzte bestimmt sind (§ 141).
a) Als Identität überhaupt ist sie
zunächst die Möglichkeit;—die Reflexion-in-sich, welche
als der konkreten Einheit des Wirklichen gegenüber, als
die abstrakte und unwesentliche Wesentlichkeit
gesetzt ist. Die Möglichkeit ist das Wesentliche zur
Wirklichkeit, aber so, daß sie zugleich nur Möglichkeit
sei.
Zusatz. Die Möglichkeit erscheint
der Vorstellung zunächst als die reichere und umfassendere und die
Wirklichkeit dagegen als die ärmere und beschränktere Bestimmung.
Man sagt demgemäß: alles ist möglich; aber nicht alles, was möglich
ist, ist deshalb auch wirklich. In der Tat, d.h. dem Gedanken nach,
ist indes die Wirklichkeit das Umfassendere, da dieselbe als der konkrete
Gedanke die Möglichkeit als ein abstraktes Moment in sich enthält.
Dies findet sich dann auch insofern in unserem gewöhnlichen Bewußtsein,
als wir, wenn von dem Möglichen im Unterschied vom Wirklichen gesprochen
wird, dasselbe als ein nur Mögliches bezeichnen. -Von
der Möglichkeit pflegt überhaupt gesagt zu werden, daß dieselbe in
der Denkbarkeit bestehe. Unter dem Denken aber wird hier nur das
Auffassen eines Inhaltes in der Form der abstrakten Identität verstanden.
Da nun aller Inhalt in diese Form gebracht werden kann und dazu nur
gehört, daß derselbe von den Beziehungen, worin derselbe steht, getrennt
wird, so kann auch das Absurdeste und Widersinnigste als möglich betrachtet
werden. Es ist möglich, daß heute abend der Mond auf die Erde fällt,
denn der Mond ist ein von der Erde getrennter Körper und kann deshalb
so gut herunterfallen wie ein Stein, der in die Luft geschleudert worden;—es
ist möglich, daß der türkische Kaiser Papst wird, denn er ist ein Mensch,
kann als solcher sich zum Christentum bekehren, katholischer Priester
werden usw. Bei diesem Reden von Möglichkeiten ist es dann vornehmlich
das Denkgesetz vom Grunde, welches in der früher besprochenen Weise
gehandhabt wird, und es heißt hiernach, möglich sei dasjenige, wofür
sich ein Grund angeben lasse. Je ungebildeter jemand ist, je weniger
er die bestimmten Beziehungen der Gegenstände kennt, worauf er seine
Betrachtung richtet, um so geneigter pflegt er zu sein, sich in allerhand
leeren Möglichkeiten zu ergehen, wie dies z.B. auf dem politischen
Gebiet mit den sogenannten Kannengießern der Fall ist. Weiter geschieht
es dann in praktischer Beziehung auch nicht selten, daß der üble Wille
und die Trägheit sich hinter die Kategorie der Möglichkeit verstehen,
um sich damit bestimmten Obliegenheiten zu entziehen, und es gilt in
dieser Hinsicht dasselbe, was früher über den Gebrauch des Denkgesetzes
vom Grunde bemerkt wurde. Vernünftige, praktische Menschen lassen
sich durch das Mögliche, eben weil es nur möglich ist, nicht imponieren,
sondern halten sich an das Wirkliche, worunter dann aber freilich nicht
bloß das unmittelbar Daseiende zu verstehen ist. Im gemeinen Leben
fehlt es übrigens nicht an allerhand Sprichwörtern, durch welche die
gerechte Geringschätzung der abstrakten Möglichkeit ausgedrückt wird.
So sagt man z.B.: Ein Sperling in der Hand ist besser als zehn Sperlinge
auf dem Dache.—Ferner ist nun aber auch mit demselben Recht, mit
welchem alles als möglich betrachtet wird, alles als unmöglich zu betrachten,
und zwar insofern, als ein jeder Inhalt, welcher als solcher immer
ein Konkretes ist, nicht nur verschiedene, sondern auch entgegengesetzte
Bestimmungen in sich enthält. So ist z.B. nichts unmöglicher als
dies, daß ich bin, denn Ich ist zugleich einfache Beziehung auf sich
und schlechthin Beziehung auf Anderes. Ebensoverhält es sich mit
allem sonstigen Inhalt der natürlichen und der geistigen Welt. Man
kann sagen: die Materie ist unmöglich, denn dieselbe ist die Einheit
von Repulsion und Attraktion. Dasselbe gilt vom Leben, vom Recht,
von der Freiheit und vor allem von Gott selbst als dem wahren, d.h.
dem dreieinigen Gott, welcher Begriff dann auch von der abstrakten
Verstandesaufklärung ihrem Prinzip nach als angeblich dem Denken widersprechend
verworfen worden ist. Es ist überhaupt der leere Verstand, welcher
sich in diesen leeren Formen herumtreibe, und das Geschäft der Philosophie
in Beziehung auf dieselben besteht nur darin, die Nichtigkeit und Inhaltlosigkeit
derselben aufzuzeigen. Ob dieses möglich oder unmöglich ist, das
kommt auf den Inhalt an, d.h. auf die Totalität der Momente der Wirklichkeit,
welche sich in ihrer Entfaltung als die Notwendigkeit erweist.
§ 144
b) Das Wirkliche aber in seinem
Unterschiede von der Möglichkeit als der Reflexion-in-sich ist selbst
nur das äußerliche Konkrete, das unwesentliche
Unmittelbare. Oder unmittelbar, insofern es zunächst (§ 142) als
die einfache, selbst unmittelbare Einheit des Inneren und Äuferen ist,
ist es als unwesentliche Äußeres und ist so zugleich (§
140) das nur Innerliche, die Abstraktion der Reflexion-in-sich;
es selbst ist somit als ein nur Mögliches bestimmt. In
diesem Werte einer bloßen Möglichkeit ist das Wirkliche ein Zufälliges,
und umgekehrt ist die Möglichkeit der bloße Zufall selbst.
§ 145
Möglichkeit und Zufälligkeit sind die Momente der Wirklichkeit,
Inneres und Äußeres, als bloße Formen gesetzt, welche die Äußerlichkeit
des Wirklichen ausmachen. Sie haben an dem in sich bestimmten
Wirklichen, dem Inhalte, als ihrem wesentlichen Bestimmungsgrunde
ihre Reflexion-in-sich. Die Endlichkeit des Zufälligen und Möglichen
besteht daher näher in dem Unterschiedensein der Formbestimmung von
dem Inhalte, und ob etwas zufällig und möglich ist, kommt daher
auf den Inhalt an.
Zusatz.
Die Möglichkeit, als das nur Innere der Wirklichkeit, ist eben damit
auch die nur äußere Wirklichkeit oder die Zufälligkeit.
Das Zufällige ist überhaupt ein solches, welches den Grund seines Seins
nicht in sich selbst, sondern in anderem hat. Dies ist die Gestalt,
in welcher die Wirklichkeit sich dem Bewußtsein zunächst darbietet
und welche häufig mit der Wirklichkeit selbst verwechselt wird.
Das Zufällige ist indes nur das Wirkliche in der einseitigen Form der
Reflexion-in-Anderes oder das Wirkliche in der Bedeutung eines bloß
Möglichen. Wir betrachten demgemäß das Zufällige als ein solches,
welches sein oder auch nicht sein, welches so oder auch anders sein
kann und dessen Sein oder Nichtsein, dessen So- oder Anderssein nicht
in ihm selbst, sondern in Anderem begründet ist. Dies Zufällige
zu überwinden ist nun überhaupt ebenso einerseits die Aufgabe des Erkennens,
als es auch andererseits auf dem Gebiete des Praktischen darum zu tun
ist, nicht bei der Zufälligkeit des Wollens oder der Willkür
stehenzubleiben. Gleichwohl ist es, zumal in der neueren Zeit, vielfältig
geschehen, daß man die Zufälligkeit zur Ungebühr erhoben und derselben
sowohl in Beziehung auf die Natur als auch auf die geistige Welt einen
Wert beigelegt hat, der ihr in der Tat nicht zukommt. Was hierbei
zunächst die Natur anbetrifft, so pflege dieselbe nicht selten hauptsächlich
nur um des Reichtums und der Mannigfaltigkeit ihrer Gebilde willen
bewundert zu werden. Dieser Reichtum als solcher, abgesehen von
der darin vorhandenen Entfaltung der Idee, bietet indes kein höheres
Vernunftinteresse dar und gewährt uns in der großen Mannigfaltigkeit
unorganischer und organischer Gebilde nur die Anschauung der ins Unbestimmte
sich verlaufenden Zufälligkeit. Jedenfalls ist das durch äußere
Umstände bedingte bunte Spiel der einzelnen Varietäten von Tieren und
Pflanzen, die mannigfaltig wechselnde Figuration und Gruppierung der
Wolken u.dgl. nicht für höher zu erachten als die ebenso zufälligen
Einfälle des in seiner Willkür sich ergehenden Geistes und ist die
solcher Erscheinung gewidmete Bewunderung ein sehr abstraktes Verhalten,
von welchem aus zur näheren Einsicht in die innere Harmonie und Gesetzmäßigkeit
der Natur fortzuschreiten ist.—Von besonderer Wichtigkeit ist demnächst
die gehörige Würdigung der Zufälligkeit in Beziehung auf den Willen.
Wenn von der Freiheit des Willens die Rede ist, so wird darunter häufig
bloß die Willkür, d.h. der Wille in der Form der Zufälligkeit verstanden.
Nun ist zwar die Willkür, als die Fähigkeit, sich zu diesem oder jenem
zu bestimmen, allerdings ein wesentliches Moment des seinem Begriff
nach freien Willens, jedoch keineswegs die Freiheit selbst, sondern
zunächst nur die formelle Freiheit. Der wahrhaft freie Wille, welcher
die Willkür als aufgehoben in sich enthält, ist sich seines Inhalts
als eines an und für sich festen bewußt und weiß denselben zugleich
schlechthin als den seinigen. Dahingegen ist der Wille, welcher
auf der Stufe der Willkür stehenbleibt, auch wenn er sich für das dem
Inhalt nach Wahre und Rechte entscheidet, doch immer noch mit der Eitelkeit
behaftet, daß, wenn es ihm so beliebt, er sich auch für anderes hätte
entscheiden können. Näher betrachtet erweist sich übrigens die Willkür
insofern als ein Widerspruch, als hier Form und Inhalt noch einander
gegenüberstehen. Der Inhalt der Willkür ist ein gegebener und wird
nicht als ein im Willen selbst, sondern in äußeren Umständen begründeter
gewußt. Die Freiheit besteht deshalb in Beziehung auf solchen Inhalt
nur in der Form des Wählens, welche formelle Freiheit dann auch insofern
als eine bloß gemeinte Freiheit zu betrachten ist, als in letzter Analyse
es sich finden wird, daß derselben Äußerlichkeit der Umstände, in welchen
der von dem Willen vorgefundene Inhalt begründet ist, es auch zugeschrieben
werden muß, daß der Wille sich gerade für dieses und nicht für jenes
entscheidet.
Ob nun schon die Zufälligkeit, der bisherigen
Erörterung zufolge, nur ein einseitiges Moment der Wirklichkeit und
deshalb mit dieser selbst nicht zu verwechseln ist, so gebührt derselben
doch, als einer Form der Idee überhaupt, auch in der gegenständlichen
Welt ihr Recht. Dies gilt zunächst von der Natur, auf deren Oberfläche
sozusagen die Zufälligkeit ihr freies Ergehen hat, welches dann auch
als solches anzuerkennen ist, ohne die (der Philosophie bisweilen irrigerweise
zugeschriebene) Prätention, darin ein nur so und nicht anders sein
können finden zu wollen. Ebenso macht sich dann auch das Zufällige
in der geistigen Welt geltend, wie solches bereits vorher hinsichtlich
des Willens bemerkt wurde, welcher das Zufällige in der Gestalt der
Willkür, jedoch nur als aufgehobenes Moment, in sich enthält. Auch
in Beziehung auf den Geist und dessen Betätigung hat man sich davor
zu hüten, daß man nicht durch das wohlgemeinte Bestreben vernünftiger
Erkenntnis sich dazu verleiten läßt, Erscheinungen, welchen der Charakter
der Zufälligkeit zukommt, als notwendig aufzeigen oder, wie man zu
sagen pflegt, a priori konstruieren zu wollen. So spielt
z.B. in der Sprache, obschon dieselbe gleichsam der Leib des Denkens
ist, doch unbedenklich auch der Zufall seine entschiedene Rolle, und
ebenso verhält es sich mir den Gestaltungen des Rechts, der Kunst usw.
Es ist ganz richtig, daß die Aufgabe der Wissenschaft und näher der
Philosophie überhaupt darin besteht, die unter dem Schein der Zufälligkeit
verborgene Notwendigkeit zu erkennen; dies darf jedoch nicht so verstanden
werden, als ob das Zufällige bloß unserer subjektiven Vorstellung angehöre
und deshalb, um zur Wahrheit zu gelangen, schlechthin zu beseitigen
sei. Wissenschaftliche Bestrebungen, welche einseitig diese Richtung
verfolgen, werden dem gerechten Vorwurfe einer leeren Spielerei und
eines steifen Pedantismus nicht entgehen.
§ 146
Jene Äußerlichkeit der Wirklichkeit enthält
näher dies, daß die Zufälligkeit als unmittelbare Wirklichkeit das
mit sich Identische wesentlich ist nur als Gesetztsein,
das aber ebenso aufgehoben, eine daseiende Äußerlichkeit ist. Sie
ist so ein Vorausgesetztes, dessen unmittelbares Dasein
zugleich eine Möglichkeit ist und die Bestimmung hat, aufgehoben
zu werden,—die Möglichkeit eines Anderen zu sein,—die Bedingung.
Zusatz.
Das Zufällige, als die unmittelbare Wirklichkeit, ist zugleich die
Möglichkeit eines Anderen, jedoch nicht mehr bloß jene abstrakte Möglichkeit,
die wir zuerst hatten, sondern die Möglichkeit als seiend,
und so ist dieselbe Bedingung. Wenn wir von der Bedingung einer
Sache sprechen, so liegt darin zweierlei: einmal nämlich ein Dasein,
eine Existenz, überhaupt ein Unmittelbares, und zweitens die Bestimmung
dieses Unmittelbaren, aufgehoben zu werden und zur Verwirklichung eines
Anderen zu dienen.—Die unmittelbare Wirklichkeit ist nun überhaupt
als solche nicht das, was sie sein soll, sondern eine in sich gebrochene,
endliche Wirklichkeit, und es ist ihre Bestimmung, verzehrt zu werden.
Die andere Seite der Wirklichkeit ist dann aber ihre Wesentlichkeit.
Diese ist zunächst das Innere, welches, als bloße Möglichkeit, ebenso
bestimmt ist, aufgehoben zu werden. Als aufgehobene Möglichkeit
ist sie das Hervorgehen einer neuen Wirklichkeit, welche die erste
unmittelbare Wirklichkeit zu ihrer Voraussetzung hatte. Dies ist
der Wechsel, welchen der Begriff der Bedingung in sich enthält.
Wenn wir die Bedingungen einer Sache betrachten, so erscheinen diese
als etwas ganz Unbefangenes. In der Tat enthält aber solche unmittelbare
Wirklichkeit den Keim zu etwas ganz anderem in sich. Dieses Andere
ist zunächst nur ein Mögliches, welche Form sich dann aber aufhebt
und in Wirklichkeit übersetzt. Diese neue Wirklichkeit, welche so
hervorgeht, ist das eigene Innere der unmittelbaren Wirklichkeit, welche
sie verbraucht. Es wird so eine ganz andere Gestalt der Dinge, und
es wird auch nichts anderes: denn die erste Wirklichkeit wird nur nach
ihrem Wesen gesetzt. Die Bedingungen, die sich aufopfern, die Zugrunde
gehen und verbraucht werden, gehen in der anderen Wirklichkeit nur
mit sich selbst zusammen.—Von solcher Art ist nun überhaupt der
Prozeß der Wirklichkeit. Diese ist nicht bloß ein unmittelbar Seiendes,
sondern, als das wesentliche Sein, Aufhebung ihrer eigenen Unmittelbarkeit
und dadurch sich mit sich selbst vermittelnd.
§ 147
g)
Diese so entwickelte Äußerlichkeit ist ein Kreis der Bestimmungen
der Möglichkeit und der unmittelbaren Wirklichkeit, die Vermittlung
derselben durcheinander die reale Möglichkeit überhaupt.
Als solcher Kreis ist sie ferner die Totalität, so der Inhalt,
die an und für sich bestimmte Sache, und ebenso, nach dem
Unterschiede der Bestimmungen in dieser Einheit, die konkrete Totalität
der Form für sich, das unmittelbare Sichübersetzen des Inneren
ins Äußere und des Äußeren ins Innere. Dies Sichbewegen der Form
ist Tätigkeit, Betätigung der Sache, als des realen
Grundes, der sich zur Wirklichkeit aufhebt, und Betätigung der zufälligen
Wirklichkeit, der Bedingungen, nämlich deren Reflexion-in-sich und
ihr Sichaufheben zu einer anderen Wirklichkeit, zu der Wirklichkeit
der Sache. Wenn alle Bedingungen vorhanden
sind, muß die Sache wirklich werden, und die Sache ist selbst
eine der Bedingungen, denn sie ist zunächst als Inneres selbst nur
ein Vorausgesetztes. Die entwickelte Wirklichkeit, als
der in eins fallende Wechsel des Inneren und Äußeren, der Wechsel ihrer
entgegengesetzten Bewegungen, die zu einer Bewegung vereint
sind, ist die Notwendigkeit.