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Über
die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie
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.
Zweiter
Teil
(Über die allgemeine Relativitätstheorie)
Betrachtungen über die Welt als
Ganzes
§ 30 Kosmologische Schwierigkeiten der NEWTONschen
Theorie
Außer der im § 21 dargelegten Schwierigkeit
haftet der klassischen Himmelsmechanik noch eine zweite prinzipielle Schwierigkeit
an, welche meines Wissens zuerst von dem Astronomen SEELIGER ausführlich
diskutiert wurde. Wenn man sich die Frage überlegt, wie die Welt
als Ganzes etwa zu denken sei, so ist die nächstliegende Antwort
wohl diese. Die Welt ist räumlich (und zeitlich) unendlich. Allenthalben
gibt es Sterne, so daß die Dichte der Materie zwar im einzelnen
sehr verschieden, aber im großen Durchschnitt überall dieselbe
ist. Anders ausgedrückt: Wie weit man auch durch den Weltraum reisen
mag, überall findet sich ein loses Gewimmel von Fixsternen von etwa
der gleichen Art und gleichen Dichte.
Diese Auffassung ist mit der NEWTONschen Theorie unvereinbar. Letztere
verlangt vielmehr, daß die Welt eine Art Mitte habe, in welcher
die Dichte der Sterne eine maximale ist, und daß die Sterndichte
von dieser Mitte nach außen abnehme, um weit außen einer unendlichen
Leere Platz zu machen. Die Sternenwelt müßte eine endliche
Insel im unendlichen Ozean des Raumes bilden.22
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22Begründung.
Nach der NEWTONschen Theorie enden in einer Masse m eine
Anzahl ,,Kraftlinien, welche aus dem Unendlichen kommen, und
deren Zahl der Masse m proportional ist. Ist die Dichte p0
der Masse in der Welt im Mittel konstant, so umschließt eine
Kugel vom Volumen V im Durchschnitt die Masse p0V.
Die Zahl der durch die Oberfläche F ins Innere der Kugel
eintretenden Kraftlinien ist also proportional p0V.
Durch die Oberflächeneinheit der Kugel treten also Kraftlinien
ein, deren Zahl p0V/F oder p0R
proportional ist. Die Feldstärke an der Oberfläche würde
also mit wachsendem Kugelradius R ins Unendliche wachsen,
was unmöglich ist.
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Diese Vorstellung ist an sich wenig befriedigend. Sie
ist es um so weniger, als man so zu der Konsequenz kommt, daß unausgesetzt
das von den Sternen ausgesandte Licht sowie einzelne Sterne des Sternsystems
nach dem Unendlichen fortwandern, ohne jemals wiederzukehren und ohne
je wieder mit anderen Naturobjekten in Wechselwirkung zu kommen. Die Welt
der im Endlichen zusammengeballten Materie müßte so allmählich
systematisch verarmen.
Um diesen Konsequenzen zu entgehen, hat SEELIGER das NEWTONsche Gesetz
dahin modifiziert, daß er die Anziehung zweier Massen bei großen
Distanzen stärker als nach dem Gesetz 1/r2
abnehmen läßt. Dadurch wird erzielt, daß die mittlere
Dichte der Materie allenthalben bis ins Unendliche konstant sein kann,
ohne daß unendlich große Gravitationsfelder entstehen. Man
kommt so von der unsympathischen Vorstellung los, daß die materielle
Welt eine Art Mittelpunkt besitzen müsse. Freilich erkauft man diese
Befreiung aus den geschilderten prinzipiellen Nöten durch eine weder
aus der Erfahrung noch theoretisch begründbare Modifikation und Komplizierung
des NEWTONschen Gesetzes. Beliebig viele denkbare Gesetze leisten das
gleiche, ohne daß man einen Grund dafür angeben könnte,
daß eines von ihnen vor den anderen zu bevorzugen wäre; denn
so wenig wie das NEWTONsche Gesetz ist eines jener Gesetze in allgemeineren
theoretischen Prinzipien begründet.
§ 31 Die Möglichkeit einer endlichen und doch nicht begrenzten
Welt
Die Spekulationen über den Bau der Welt bewegten
sich aber auch noch nach einer ganz anderen Richtung. Die Entwicklung
der nicht-euklidischen Geometrie führte nämlich zu der Erkenntnis,
daß man an der Unendlichkeit unseres Raumes zweifeln kann,
ohne mit den Denkgesetzen oder mit der Erfahrung in Kollision zu geraten
(RIEMANN, HELMHOLTZ). Diese Dinge sind von HELMHOLTZ und POINCARÉ
bereits mit unübertrefflicher Durchsichtigkeit ausführlich klargestellt
worden, während ich sie hier nur kurz berühren kann.
Wir denken uns zunächst ein zweidimensionales Geschehen. Flache Geschöpfe
mit flachen Werkzeugen, insbesondere flachen starren Meßstäbchen
seien in einer Ebene frei beweglich. Außerhalb dieser Ebene
existiere für sie nichts, sondern es sei das Geschehen in ihrer Ebene,
welches sie an sich selbst und ihren flachen Dingen beobachten, ein kausal
geschlossenes. Insbesondere sind die Konstruktionen der ebenen euklidischen
Geometrie mit den Stäbchen realisierbar, z. B. die in § 24 betrachtete
Netzkonstruktion auf der Tischplatte. Die Welt dieser Wesen ist im Gegensatz
zu der unsrigen räumlich zweidimensional, aber wie unsere Welt unendlich
ausgedehnt. Unendlich viele gleiche Stäbchenquadrate haben auf ihr
Platz, d.h. ihr Volumen (Fläche) ist unendlich. Es hat einen Sinn,
wenn diese Wesen sagen, ihre Welt sei ,,eben, nämlich den Sinn,
daß sich mit ihren Stäbchen die Konstruktionen der euklidischen
Geometrie der Ebene ausführen lassen, wobei das einzelne Stäbchen
unabhängig von seiner Lage stets dieselbe Strecke repräsentiert.
Wir denken uns nun abermals ein zweidimensionales Geschehen, aber nicht
auf einer Ebene, sondern auf einer Kugelfläche. Die flachen Geschöpfe
mit ihren Maßstäben und sonstigen Gegenständen liegen
genau in dieser Fläche und können dieselbe nicht verlassen;
ihre ganze Wahrnehmungswelt erstrecke sich vielmehr ausschließlich
auf die Kugeloberfläche. Können diese Geschöpfe die Geometrie
ihrer Welt als zweidimensional euklidische Geometrie und dabei ihre Stäbchen
als die Realisierung der ,,Strecke betrachten? Das können sie
nicht. Denn bei dem Versuch, eine Gerade zu realisieren, werden sie eine
Kurve erhalten, welche wir ,,Dreidimensionale als größten
Kreis bezeichnen, also eine in sich geschlossene Linie von bestimmter
endlicher Länge, die sich mit einem Stäbchen ausmessen läßt.
Ebenso hat diese Welt eine endliche Fläche, die sich mit der eines
Stäbchenquadrates vergleichen läßt. Der große Reiz,
den die Versenkung in diese Überlegung bereitet, liegt in der Erkenntnis:
Die Welt dieser Wesen ist endlich und hat doch keine Grenzen.
Aber die Kugelgeschöpfe brauchen keine Weltreise zu machen, um zu
bemerken, daß sie in keiner euklidischen Welt wohnen. Auf jedem
Stück ihrer Welt, das nicht allzu klein ist, können sie sich
davon überzeugen. Sie ziehen von einem Punkt nach allen Richtungen
,,gerade Strecken (dreidimensional beurteilt, Kreisbögen) von
gleicher Länge. Die Verbindung der freien Enden dieser Strecken werden
sie als ,,Kreis bezeichnen. Das Verhältnis des mit einem Stäbchen
gemessenen Kreisumfanges zu den mit demselben Stäbchen gemessenen
Durchmesser des Radius ist nach der euklidischen Geometrie in der Ebene
gleich einer Konstanten p, welche unabhängig
ist vom Durchmesser des Kreises. Unsere Geschöpfe würden für
dies Verhältnis auf ihrer Kugelfläche den Wert
finden, d. h. einen Wert, der kleiner ist als p,
und zwar um so erheblicher, je größer der Radius des Kreises
im Vergleich zum Radius R der ,,Kugelwert ist. Aus dieser
Beziehung können die Kugelgeschöpfe den Radius R ihrer
Welt bestimmen, auch wenn ihnen nur ein relativ geringer Teil ihrer Kugelwelt
für ihre Messungen zur Verfügung steht. Ist aber dieser Teil
allzu klein, so können sie nicht mehr konstatieren, daß sie
sich auf einer Kugelwelt und nicht auf einer euklidischen Ebene befinden;
ein kleines Stück einer Kugelfläche unterscheidet sich wenig
von einem gleich großen Stück einer Ebene.
Wenn also die Kugelgeschöpfe auf einem Planeten wohnen, dessen Sonnensystem
nur einen verschwindend kleinen Teil der Kugelwelt einnimmt, so haben
sie keine Möglichkeit, darüber zu entscheiden, ob sie in einer
endlichen Welt oder einer unendlichen Welt leben, weil das Stück
Welt, das ihrer Erfahrung zugänglich ist, in beiden Fällen praktisch
eben bzw. euklidisch ist. Die Anschauung zeigt unmittelbar, daß
für unsere Kugelgeschöpfe der Kreisumfang mit dem Radius zunächst
bis zum ,,Weltumfang wächst, um dann bei noch weiter wachsendem
Radius allmählich wieder bis zu Null abzunehmen. Die Kreisfläche
wächst dabei immer mehr, bis sie schließlich gleich wird der
Gesamtfläche der ganzen Kugelwelt.
Vielleicht wird sich der Leser wundern, daß wir unsere Geschöpfe
gerade auf eine Kugel und nicht auf eine andere geschlossene Fläche
gesetzt haben. Aber dies hat seine Berechtigung, weil die Kugelfläche
gegenüber allen anderen geschlossenen Flächen durch die Eigenschaft
ausgezeichnet ist, daß all ihre Punkte gleichwertig sind. Das Verhältnis
des Umfanges u eines Kreises zu seinem Radius r ist zwar
von r abhängig, aber bei gegebenem r für alle
Punkte der Kugelwelt das gleiche; die Kugelwelt ist eine ,,Fläche
konstanter Krümmung.
Es gibt zu dieser zweidimensionalen Kugelwelt ein dreidimensionales Analogon,
den dreidimensionalen sphärischen Raum, welcher von RIEMANN entdeckt
worden ist. Seine Punkte sind ebenfalls alle gleichwertig. Er besitzt
ein endliches Volumen, welches durch seinen ,,Radius R bestimmt
ist (2p2R3).
Kann man sich einen sphärischen Raum vorstellen? Sich einen Raum
vorstellen, heißt nichts anderes, als sich einen Inbegriff ,,räumlicher
Erfahrungen vorstellen, d. h. von Erfahrungen, die man beim Bewegen ,,starrer
Körper haben kann. In diesem Sinne ist ein sphärischer Raum
vorstellbar.
Von einem Punkte aus ziehen wir Gerade (spannen wir Schnüre) nach
allen Richtungen und tragen auf jeder derselben Strecke r mit dem
Maßstabe auf. Alle freien Endpunkte dieser Strecken liegen auf einer
Kugelfläche. Die Fläche dieser (F) können wir mit
einem Maßstabquadrat besonders ausmessen. Ist die Welt euklidisch,
so ist F = 4pr2;
ist die Welt sphärisch, so ist F stets kleiner als 4pr2.
F wächst mit wachsendem r von Null bis zu einem durch
den ,,Weltradius bestimmten Maximum, um bei weiter wachsendem Kugelradius
r allmählich wieder bis zu Null abzunehmen. Die vom Ausgangspunkt
ausgehenden radialen Geraden entfernen sich zunächst immer weiter
voneinander, nähern sich später wieder, um schließlich
im ,,Gegenpunkte des Ausgangspunktes wieder zusammenzulaufen; sie
haben dann den ganzen sphärischen Raum durchmessen. Man überzeugt
sich leicht, daß der dreidimensionale sphärische Raum dem zweidimensionalen
(Kugelfläche) völlig analog ist. Er ist endlich (d. h. von endlichem
Volumen), ohne Grenzen zu haben.
Es sei bemerkt, daß es noch eine Abart des sphärischen
Raumes gibt, den ,,elliptischen Raum. Er kann als ein sphärischer
Raum aufgefaßt werden, in welchem die ,,Gegenpunkte identisch
(nicht unterscheidbar) sind. Eine elliptische Welt kann also gewissermaßen
als eine zentrisch symmetrische, sphärische Welt angesehen werden.
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß geschlossene Räume ohne Grenzen
denkbar sind. Unter diesen zeichnen sich der sphärische (bzw. der
elliptische) Raum durch Einfachheit aus, indem alle seine Punkte gleichwertig
sind. Nach dem Gesagten erhebt sich für die Astronomen und Physiker
die höchst interessante Frage, ob die Welt, in der wir leben, unendlich
oder nach Art der sphärischen Welt endlich ist. Unsere Erfahrung
reicht zur Beantwortung dieser Frage nicht im entferntesten aus. Die allgemeine
Relativitätstheorie aber erlaubt, sie mit ziemlicher Sicherheit zu
beantworten; dabei löst sich auch die im § 30 dargelegte Schwierigkeit.
§ 32 Die Struktur des Raumes nach der allgemeinen Relativitätstheorie
Gemäß der allgemeinen Relativitätstheorie
sind die geometrischen Eigenschaften des Raumes nicht selbständig,
sondern durch die Materie bedingt. Man kann daher über die geometrische
Struktur der Welt nur etwas schließen, wenn man den Zustand der
Materie als bekannt der Betrachtung zugrunde legt. Wir wissen aus der
Erfahrung, daß bei passend gewähltem Koordinatensystem die
Geschwindigkeiten der Sterne klein sind gegenüber der Geschwindigkeit
der Lichtausbreitung. Wir können deshalb die Beschaffenheit der Welt
im großen in rohester Annäherung erfahren, indem wir die Materie
als ruhend behandeln.
Wir wissen bereits aus früheren Überlegungen, daß das
Verhalten der Maßstäbe und Uhren durch die Gravitationsfelder,
d. h. durch die Verteilung der Materie beeinflußt wird. Hieraus
folgt schon, daß von einer exakten Gültigkeit der euklidischen
Geometrie in unserer Welt keine Rede sein kann. Aber es ist an sich denkbar,
daß unsere Welt von einer euklidischen wenig abweicht, diese Auffassung
liegt um so näher, als die Rechnung ergibt, daß selbst Massen
von der Größe unserer Sonne die Metrik des umgebenden Raumes
nur ganz minimal beeinflussen. Man könnte sich vorstellen, daß
sich unsere Welt in geometrischer Hinsicht analog verhält einer im
einzelnen unregelmäßig gekrümmten Fläche, die aber
nirgends bedeutend von einer Ebene abweicht, wie etwa die durch schwache
Wellen gekräuselte Oberfläche eines Sees. Eine derartige Welt
könnten wir passend eine quasi-euklidische nennen. Sie wäre
räumlich unendlich. Die Rechnung ergibt aber, daß in einer
quasi-euklidischen Welt die mittlere Dichte der Materie Null sein müßte.
Eine solche Welt könnte also nicht überall mit Materie bevölkert
sein; sie böte das unbefriedigende Bild, das wir im § 30 entworfen
haben.
Soll es aber in der Welt eine wenn auch noch so wenig von Null abweichende
mittlere Dichte der Materie geben, so ist die Welt nicht quasi-euklidisch.
Die Rechnung ergibt vielmehr, daß sie bei gleichmäßig
verteilter Materie notwendig sphärisch (bzw. elliptisch) sein müßte.
Da die Materie in Wahrheit im einzelnen ungleichmäßig verteilt
ist, wird die wirkliche Welt vom sphärischen Verhalten im einzelnen
abweichen, sie wird quasi-sphärisch sein. Aber sie wird notwendig
endlich sein müssen. Die Theorie liefert sogar einen einfachen Zusammenhang23
zwischen der räumlichen Ausdehnung der Welt und der mittleren Dichte
der Materie in derselben.
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23Für
den ,,Radius R der Welt ergibt sich nämlich die
Gleichung
R2
= 2/kr.
Bei Verwendung
des C-G-S-Systems ist hierbei 2/k
= 1,08 ´ 1027;
r ist die mittlere
Dichte der Materie.
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Anhang
1 Einfache Ableitung der LORENTZ-Transformation
[Ergänzung
zu § 11]
Bei der in Abb. 2 angedeuteten relativen Orientierung
der Koordinatensysteme fallen die X-Achsen beider Systeme dauernd
zusammen. Wir können hier das Problem teilen, indem wir zunächst
nur Ereignisse betrachten, die auf der X-Achse lokalisiert sind.
Ein solches Ereignis ist bezüglich des Koordinatensystems K
durch die Abszisse x und die Zeit t, bezuüglich K´
durch die Abszisse x´ und die Zeit t' gegeben.
Gesucht sind x´ und t´, wenn x
und t gegeben sind.
Ein Lichtsignal, welches längs der positiven X-Achse vorschreitet,
pflanzt sich nach der Gleichung
oder
fort. Da dasselbe Lichtsignal sich auch relativ zu K´
mit der Geschwindigkeit c fortpflanzen soll, so wird die Fortpflanzung
relativ zu K´ durch die analoge Formel
beschrieben. Diejenigen Raum-Zeit-Punkte (Ereignisse), welche
(1) erfüllen, müssen auch (2) erfüllen. Dies wird offenbar
der Fall sein, wenn allgemein die Beziehung
(x' ct') = l (x
ct)
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(3)
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erfüllt ist, wobei l eine
Konstante bedeutet; denn gemäß (3) bedingt das Verschwinden von
x – ct das Verschwinden von x' – ct'.
Eine ganz analoge Betrachtung, angewandt auf längs
der negativen X-Achse sich fortpflanzende Lichtstrahlen, liefert
die Bedingung:
x' + ct' = m (x + ct).
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(4)
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Addiert bzw. subtrahiert man die Gleichungen (3) und (4),
wobei man statt der Konstanten l und m
bequemlichkeitshalber die Konstanten
a = (l
+ m) / 2
b =
(l
m) / 2
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einführt, so erhält man
x' = ax bct
ct' = act bx.
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(5)
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Damit wäre unsere Aufgabe gelöst, wenn die
Konstanten a und b bekannt wären; diese ergeben sich
durch die folgenden Überlegungen.
Für den Anfangspunkt von K´ ist dauernd x´
= 0, also nach der ersten der Gleichungen (5):
Nennen wir v die Geschwindigkeit, mit welcher der
Anfangspunkt von K´ relativ zu K bewegt ist,
so ist also
(6)
Den gleichen Wert v erhält man aus (5), wenn
man die Geschwindigkeit eines anderen Punktes von K´
relativ zu K oder die (nach der negativen X-Achse gerichtete)
Geschwindigkeit eines Punktes von K gegenüber K´
berechnet. Man kann also v kurz als die Relativgeschwindigkeit
beider Systeme bezeichnen.
Ferner ist nach dem Relativitätsprinzip klar, daß die von K
aus beurteilte Länge eines relativ zu K´ ruhenden
Einheitsmaßstabes genau dieselbe sein muß, wie die von K´
aus beurteilte Länge eines relativ zu K ruhenden Einheitsmaßstabes.
Um zu sehen, wie die Punkte der X´-Achse von K
aus betrachtet aussehen, brauchen wir nur eine ,,Momentaufnahme
von K´ von K aus aufzunehmen; dieses bedeutet,
daß wir für t (Zeit von K) einen bestimmten Wert,
z.B. t = 0 einzusetzen haben. Für diesen erhält man aus
der ersten der Gleichungen (5):
Zwei Punkte der X´-Achse, welche,
in K´ gemessen, den Abstand x´
= 1 haben, haben also auf unserer Momentphotographie den Abstand:
(7)
Bildet man aber die Momentphotographie von K´
aus (t' = 0), so erhalt man aus (5) durch Eliminieren von t
mit Rücksicht auf (6):
Hieraus schließt man, daß zwei Punkte der
X-Achse vom Abstand 1 (relativ zu K) auf unserer Momentphotographie
den Abstand
(7a)
haben.
Da nach dem Gesagten die beiden Momentphotographien gleich
sein müssen, muß Dx in (7)
gleich sein Dx´ in (7a),
so daß man erhält:
(7b)
Die Gleichungen (6) und (7b) bestimmen die Konstanten
a und b. Durch Einsetzen in (5) erhält man die erste
und vierte der in § 11 angegebenen Gleichungen.
(8)
Damit ist die LORENTZ-Transformation für Ereignisse
auf der X-Achse gewonnen. Sie genügt der Bedingung
(8a)
Die Erweiterung dieses Resultates auf Ereignisse, die
außerhalb der X-Achse stattfinden, ergibt sich, indem man
die Gleichungen (8) beibehält und die Beziehungen
(9)
hinzufügt. Daß man so dem Postulat von der
Konstanz der Vakuum-Lichtgeschwindigkeit für beliebig gerichtete
Lichtstrahlen sowohl für das System K als auch für das
System K´ genügt, erkennt man auf folgende Weise.
Zur Zeit t = 0 werde vom Anfangspunkt von K ein Lichtsignal
ausgesandt. Seine Ausbreitung geschieht nach der Gleichung:
oder, wie man durch Quadrieren dieser Gleichung findet,
nach der Gleichung
(10)
Das Gesetz von der Lichtausbreitung in Verbindung mit
dem Relativitätspostulat verlangt, daß die Ausbreitung des
nämlichen Signals — von K´ aus beurteilt — nach
der entsprechenden Formel
oder
(10a)
erfolge. Damit die Gleichung (10a) eine Folge der Gleichung
(10) sei, muß sein:
(10b)
Da für Punkte auf der X-Achse die Gleichung
(8a) gelten muß, muß s = 1 sein.
Daß die LORENTZ-Transformation der Gleichung (11) mit s
= 1 wirklich genügt, erkennt man leicht; (11) ist nämlich eine
Folge von (8a) und (9), also auch von (8) und (9). Damit ist die LORENTZ-Transformation
abgeleitet.
Die durch (8) und (9) dargestellte LORENTZ-Transformation bedarf
noch der Verallgemeinerung. Es ist offenbar unwesentlich, daß die
Achsen von K´ denen von K räumlich parallel
gewählt werden. Es ist auch unwesentlich, daß die Translationsgeschwindigkeit
von K´ gegenüber K die Richtung der X-Achse
hat. Man kann die LORENTZ-Transformation in diesem allgemeinen Sinne —
wie eine einfache Überlegung ergibt — zusammensetzen aus zweierlei
Transformationen, nämlich aus LORENTZ-Transformationen im speziellen
Sinne und aus rein räumlichen Transformationen, welche der Ersetzung
des rechtwinkligen Koordinatensystems durch ein neues mit anders gerichteten
Achsen entsprechen.
Mathematisch läßt sich die verailgemeinerte LORENTZ-Transformation
so charakterisieren: Sie drückt x´, y´,
z´, t´ durch derartige lineare
homogene Funktionen von x, y, z, t aus, daß
die Relation
(11a)
identisch erfüllt wird. Dies will sagen: Setzt man
links statt x´ usw. ihre Ausdrücke in x,
y, z, t ein, so stimmt die linke Seite von (11a)
mit der rechten überein.
2 MINKOWSKIs vierdimensionale Welt
(Ergänzung
zu § 17)
Die verallgemeinerte LORENTZ-Transformation läßt
sich noch einfacher charakterisieren, wenn man statt t als Zeitvariable
die imaginäre Ö(–1) ct einführt.
Setzt man demgemäß
und analog für das gestrichene System K´,
so lautet die Bedingung, welche von der Transformation identisch erfüllt
wird:
(12)
In diese Gleichung geht nämlich (11a) bei der angegebenen
Wahl der ,,Koordinaten über.
Man sieht aus (12), daß die imaginäre Zeitkoordinate x4
in die Transformationsbedingung genau gleich eingeht wie die räumlichen
Koordinaten x1, x2,
x3. Hierauf beruht es, daß
in die Naturgesetze nach der Relativitätstheorie die ,,Zeit
x4 in derselben Form eingeht wie die räumlichen
Koordinaten x1, x2,
x3.
Das durch die ,,Koordinaten x1,
x2, x3,
x4 beschriebene vierdimensionale
Kontinuum hat MINKOWSKI ,,Welt genannt, das Punktereignis ,,Weltpunkt.
Die Physik wird aus einem Geschehen im dreidimensionalen Raum gewissermaßen
ein Sein in der vierdimensionalen ,,Welt.
Diese vierdimensionale ,,Welt hat eine tiefgehende
Ähnlichkeit mit dem dreidimensionalen ,,Raum der (euklidischen)
analytischen Geometrie. Führt man nämlich in letztere ein neues
kartesisches Koordinatensystem (x´1,
x´2, x´3)
ein mit demselben Anfangspunkte, so sind x´1,
x´2, x´3
lineare homogene Funktionen von x1,
x2, x3,
welche die Gleichung
identisch erfüllen. Die Analogie mit (12) ist eine
vollständige. Man kann die MINKOWSKIsche Welt formal als einen vierdimensionalen
euklidischen Raum (mit imaginärer Zeitkoordinate) ansehen; die LORENTZ-Transformation
entspricht einer ,,Drehung des Koordinatensystems in der vierdimensionalen
,,Welt.
3 Über die Bestätigung der allgemeinen Relativitätstheorie
durch die Erfahrung
Den Prozeß des Werdens einer Erfahrungswissenschaft
denkt man sich bei schematisch erkenntnistheoretischer Betrachtungsweise
als einen fortgesetzten Induktionsprozeß. Die Theorien erscheinen
als Zusammenfassungen einer großen Menge von Einzelerfahrungen in
Erfahrungsgesetze, aus denen durch Vergleichung die allgemeinen Gesetze
ermittelt werden. Die Entwicklung der Wissenschaft erscheint von diesem
Standpunkt aus ähnlich einem Katalogisierungswerk, als ein Werk der
bloßen Empirie.
Diese Auffassung erschöpft aber den wirklichen Prozeß
keineswegs. Sie übersieht nämlich die wichtige Rolle, welche
Intuition und deduktives Denken in der Entwicklung der exakten Wissenchaft
spielen. Sobald nämlich eine Wissenschaft über das primitivste
Stadium hinausgekommen ist, entstehen die theoretischen Fortschritte nicht
mehr durch eme bloß ordnende Tätigkeit. Der Forscher entwickelt
vielmehr, angeregt durch Erfahrungstatsachen, ein Gedankensystem, das
logisch auf eine meist geringe Zahl von Grundannahmen, die sogenannten
Axiome, aufgebaut ist. Ein solches Gedankensystem nennen wir eine Theorie.
Die Theorie schöpft ihre Daseinsberechtigung daraus, daß sie
eine größere Zahl von Einzelerfahrungen verknüpft; hierin
liegt ihre ,,Wahrheit.
Es kann nun zu demselben Komplex von Erfahrungstatsachen verschiedene
Theorien geben, die sich sehr bedeutend voneinander unterscheiden. Die
Übereinstimmung der Theorien in den der Erfahrung zugänglichen
Konsequenzen kann eine so weitgehende sein, daß es schwer fällt,
der Erfahrung zugängliche Konsequenzen zu finden, bezüglich
weicher sich die Theorien voneinander unterscheiden. Ein solcher Fall
von allgemeinem Interesse liegt beispielsweise auf dem Gebiete der Biologie
vor in der DARWINschen Theorie der Entwicklung durch Zuchtwahl im Kampf
ums Dasein und in derjenigen Entwicklungstheorie, die sich auf die Hypothese
von der Vererbung erworbener Eigenschaften gründet.
Ein derartiger Fall von weitgehender Übereinstimmung der Konsequenzen
liegt vor bei der NEWTONschen Mechanik einerseits und der allgemeinen
Relativitätstheorie andererseits. Diese Übereinstimmung geht
so weit, daß bisher nur wenige der Erfahrung zugängliche Folgerungen
der allgemeinen Relativitätstheorie haben gefunden werden können,
zu denen die frühere Physik nicht führt — trotz der tiefgehenden
Verschiedenheit der Grundvoraussetzungen der Theorien. Diese wichtigen
Konsequenzen wollen wir hier noch einmal betrachten und auch die bisher
darüber gesammelten Erfahrungen kurz besprechen.
a) Die Perihelbewegung des Merkur
Nach der NEWTONschen Mechanik und dem NEWTONschen Gravitationsgesetz
würde ein einziger um eine Sonne kreisender Planet eine Ellipse um
die Sonne (bzw. genauer um den gemeinsamen Schwerpunkt von Sonne und Planet)
beschreiben. Die Sonne (bzw. der gemeinsame Schwerpunkt) liegt hierbei
in dem einen Brennpunkt der Bahnellipse, derart, daß der Abstand
Sonne-Planet im Laufe eines Planetenjahres von emem Minimum zu einem Maximum
wächst und dann wieder zu dem Minimum zurückgeht. Setzt man
statt des NEWTONschen Anziehungsgesetzes ein etwas anderes in die Rechnung
ein, so findet man, daß die Bewegung nach diesem Gesetz immer noch
so stattfinden müßte, daß der Abstand Sonne-Planet hin
und her schwankt; aber der bei einer solchen Periode [von Perihel (Sonnennähe)
zu Perihel] von der Linie Sonne-Planet beschriebene Winkel würde
von 360° abweichen. Die Linie der Bahn würde dann keine geschlossene
sein, sondern würde im Laufe der Zeit einen ringförmigen Teil
der Bahnebene (zwischen dem Kreise des kleinsten und dem Kreise des größten
Planetenabstandes) ausfüllen.
Nach der allgemeinen Relativitätstheorie, welche ja von der NEWTONschen
etwas abweicht, soll nun ebenfalls eine derartige kleine Abweichung von
der KEPLERNEWTONschen Bahnbewegung stattfinden, derart, daß der
vom Radius Sonne-Planet zwischen einem Perihel und dem folgenden beschriebene
Winkel von einem vollen Umlaufswinkel (d.h. vom Winkel 2p
in dem in der Physik üblichen absoluten Winkelmaße) um
abweicht. (Hierbei ist a die große Halbachse
der Ellipse, e deren Exzentrizität, c die Lichtgeschwindigkeit,
T die Umlaufsdauer.) Man kann dies auch so ausdrücken: Nach
der allgemeinen Relativitätstheorie rotiert die große Achse
der Ellipse im Sinne der Bahnbewegung um die Sonne. Diese Drehung soll
nach der Theorie beim Planeten Merkur 43 Bogen-Sekunden in 100 Jahren
betragen, bei den anderen Planeten unserer Sonne aber so klein sein, daß
sie sich der Konstatierung entziehen muß.
Tatsächlich haben die Astronomen gefunden, daß
die NEWTONsche Theorie nicht ausreicht, um die beobachtete Bewegung des
Merkur mit der der heutigen Beobachtung zugänglichen Exaktheit zu
berechnen. Nach Berücksichtigung aller störenden Einflüsse,
welche die übrigen Planeten auf Merkur ausüben, zeigt es sich
(LEVERRIER 1859 und NEWCOMB 1895), daß eine unerklärte Perihelbewegung
der Merkurbahn übrig blieb, welche sich von den eben genannten +
43 Sek. pro Jahrhundert nicht merkbar unterscheidet. Die Unsicherheit
dieses mit dem Ergebnis der allgemeinen Relativitätstheorie übereinstimmenden
empirischen Resultats beträgt wenige Sekunden.
b) Die Lichtablenkung durch das Gravitationsfeld
In § 22 ist dargelegt, daß nach der allgemeinen
Relativitätstheorie der Lichtstrahl durch ein Gravitationsfeld eine
Krümmung erfahren muß, welche der Krümmung ähnlich
ist, welche die Bahn eines durch das Gravitationsfeld geschleuderten Körpers
erfahren muß. Ein an einem Himmelskörper vorbeigehender Lichtstrahl
wird nach der Theorie nach diesem hin abgebogen; dieser Ablenkungswinkel
a soll bei einem Lichtstrahl, der in einem
Abstand von D Sonnenradien an diesem vorbeigeht,
[saniye=Sekunde]
betragen. Es sei hinzugefügt, daß diese Ablenkung
nach der Theorie zur Hälfte durch das (NEWTONsche) Anziehungsfeld
der Sonne, zur Hälfte durch die von der Sonne herrührende geometrische
Modifikation (,,Krümmung) des Raumes erzeugt wird.
Dies Ergebnis erlaubt eine experimentelle Prüfung durch photographische
Sternaufnahmen während einer totalen Sonnenfinsternis. Letztere muß
nur deshalb abgewartet werden, weil zu jeder anderen Zeit die durch das
Sonnenlicht bestrahlte Atmosphäre so stark leuchtet, daß die
sonnennahen Sterne unsichtbar sind.
Die zu erwartende Erscheinung ergibt sich leicht aus neben-stehender Abb.
4. Wäre die Sonne S nicht vorhanden, so würde man einen
praktisch unendlich weiten Stern in der Richtung R1
sehen. Infolge der Ablenkung durch die Sonne sieht man ihn aber in der
Richtung R2, d.h. in einer etwas
größeren Entfernung von der Sonnenmitte, als der Wirklichkeit
entspricht.
Abb.
4
In praxi geschieht die Prüfung
in folgender Weise. Die Sterne in der Umgebung der Sonne werden bei einer
Sonnenfinsternis photographiert. Es wird ferner eine zweite photographische
Aufnahme derselben Sterne hergestellt, wenn die Sonne an einer anderen
Stelle des Himmels ist (d.h. einige Monate später oder früher).
Die bei der Sonnenfinsternis aufgenommenen Sternbilder müssen dann
gegenüber der Vergleichsaufnahme radial nach außen (vom Sonnenmittelpunkt
weg) verschoben sein um einen Betrag, der dem Winkel a
entspricht.
Der Astronomical Royal Society verdanken wir die Prüfung dieses wichtigen
Ergebnisses. Ohne sich durch den Krieg und die durch diesen geschaffenen
Schwierigkeiten psychologischer Art beirren zu lassen, hat sie mehrere
ihrer bedeutendsten Astronomen (EDDINGTON, GROMMELIN, DAVIDSON) ausgesandt
und zwei Expeditionen ausgerüstet, um bei der Sonnenfinsternis vom
29. Mai 1919 in Sobral (Brasilien) und auf der Insel Principe (Westafrika)
die photographischen Aufnahmen zu machen. Die zu erwartenden relativen
Abweichungen der Sonnenfinsternisaufnahmen gegenüber den Vergleichsaufnahmen
betrugen nur wenige hundertstel Millimeter. Die Anforderungen, welche
an die Präzision der Aufnahmen und deren Vermessung gestellt wurden,
waren also keine geringen.
Das Ergebnis der Messung bestätigte die Theorie in durchaus
befriedigender Weise. Die rechtwinkligen Komponenten der beobachteten
und berechneten Abweichungen der Sterne (in Bogen-Sekunden) sind in folgender
Tabelle enthalten:
| Nummer
des Sternes |
1.
Koordinate |
2.
Koordinate |
| beobachtet |
berechnet |
beobachtet |
berechnet |
| 11 |
0,19 |
0,22 |
+0,16 |
+0,02 |
| 5 |
0,29 |
0,31 |
0,46 |
0,43 |
| 4 |
0,11 |
0,10 |
+0,83 |
+0,74 |
| 3 |
0,20 |
0,12 |
+1,00 |
+0,87 |
| 6 |
0,10 |
0,04 |
+0,57 |
+0,40 |
| 10 |
0,08 |
+0,09 |
+0,35 |
+0,32 |
| 2 |
+0,95 |
+0,85 |
0,27 |
0,09 |
c) Die Rotverschiebung der Spektrallinien
Im § 23 ist gezeigt, daß in einem gegen ein
GALILEIsches System K rotierenden System K´
die Geschwindigkeit des Ganges ruhender gleichbeschaffener Uhren vom Orte
abhängig ist. Wir wollen diese Abhängigkeit quantitativ untersuchen.
Eine Uhr, die im Abstande r vom Zentrum der Scheibe angeordnet
ist, hat relativ zu K die Geschwindigkeit
wenn w die Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe
(K´) gegenüber K bezeichnet. Bezeichnet
v0 die Zahl der Schläge der Uhr pro Zeiteinheit
(Ganggeschwindigkeit) relativ zu K, falls die Uhr unbewegt ist,
so ist die Ganggeschwindigkeit T, der mit der Geschwindigkeit v
relativ zu K bewegten, relativ zur Scheibe ruhenden Uhr gemäß
§ 12
oder mit hinreichender Genauigkeit
oder auch gleich
Bezeichnet man mit + F die
Differenz des Potentials der Zentrifugalkraft zwischen dem Standort der
Uhr und dem Scheibenmittelpunkt, d.h. die negativ genommene Arbeit, welche
man entgegen der Zentrifugalkraft der Masseneinheit zuführen muß,
um sie vom Standpunkt der Uhr auf der bewegten Scheibe zum Mittelpunkt
zu transportieren, so ist
so daß man hat
Hieraus ersieht man zunächst, daß zwei gleichbeschaffene
Uhren in verschiedenem Abstand vom Scheibenmittelpunkt verschieden rasch
laufen, welches Ergebnis auch vom Standpunkt eines mit der Scheibe rotierenden
Beobachters Gültigkeit hat.
Da nun von der Scheibe aus beurteilt — ein Gravitationsfeld existiert,
dessen Potential F ist, so wird das gewonnene
Resultat überhaupt für Gravitationsfelder gelten. Da wir ferner
ein Spektrallinien emittierendes Atom als eine Uhr ansehen dürfen,
so gilt der Satz:
Ein Atom absorbiert bzw. emittiert eine Frequenz, welche vom Potential
des Gravitationsfeldes abhängt, in welchem es sich befindet.
Die Frequenz eines Atoms, das sich an der Oberfläche eines Himmelskörpers
befindet, ist etwas kleiner als die Frequenz eines Atoms des gleichen
Elementes, das sich im freien Weltraum (oder an der Oberfläche eines
kleineren Weltkörpers) befindet. Da F
= – KM/r ist, wobei K die NEWTONsche Gravitationskonstante,
M die Masse, r den Radius des Himmelskörpers bedeutet,
so müßte eine Rotverschiebung der an der Oberfläche von
Sternen erzeugten Spektrallinien gegenüber den an der Erdoberfläche
erzeugten Spektrallinien im Betrage
stattfinden.
Bei der Sonne beträgt die zu erwartende Rotverschiebung etwa zwei
Millionstel der Wellenlänge. Bei den Fixsternen ist eine zuverlässige
Berechnung nicht möglich, weil weder die Masse M noch der
Radius r im allgemeinen bekannt sind.
Ob dieser Effekt tatsächlich existiert, ist eine offene Frage, an
deren Beantwortung gegenwärtig von den Astronomen mit großem
Eifer gearbeitet wird. Bei der Sonne ist die Existenz des Effektes wegen
seiner Kleinheit schwer zu beurteilen. Während GREBE und BACHEM (Bonn)
auf Grund ihrer eigenen Messungen sowie derjenigen von EVERSHED und SCHWARZSCHILD
an der sogenannten Cyanbande, ebenso PEROT auf Grund eigener Beobachtungen,
die Existenz des Effektes für sichergestellt erachten, sind andere
Forscher, insbesondere W. H. JULIUS und S. JOHN, auf Grund ihrer Messungen
der entgegengesetzten Ansicht bzw. von der Beweiskraft des bisherigen
empirischen Materials nicht überzeugt.
Bei den statistischen Untersuchungen an den Fixsternen sind mittlere Linienverschiebungen
nach der langwelligen Spektralseite sicher vorhanden. Aber die bisherige
Bearbeitung des Materials erlaubt noch keine sichere Entscheidung darüber,
ob jene Verschiebungen wirklich auf die Wirkung der Gravitation zurückzuführen
sind. Eine Zusammenstellung des Beobachtungsmaterials nebst eingehender
Diskussion vom Standpunkt der uns hier interessierenden Frage findet man
in der Abhandlung von E. FREUNDLICH ,,Prüfung der allgemeinen Relativitätstheorie
(Die Naturwissenschaften 1919, H. 35, S. 520. Verlag Jul. Springer, Berlin).
Jedenfalls werden die nächsten Jahre die sichere Entscheidung bringen.
Wenn die Rotverschiebung der Spektrallinien durch das Gravitationspotential
nicht existierte, wäre die allgemeine Relativitätstheorie unhaltbar.
Andererseits wird das Studium der Linienverschiebung, wenn sein Ursprung
aus dem Gravitationspotential sichergestellt sein wird, wichtige Aufschlüsse
über die Massen der Himmelskörper liefern.
4 Die Struktur des Raumes im Zusammenhang mit der allgemeinen Relativitätstheorie
Seit dem Erscheinen der ersten Auflage dieses Büchleins
hat unsere Erkenntnis über die Struktur des Raumes im Großen
(,,kosmologisches Problem) eine wichtige Entwicklung erfahren, die
auch in einer populären Darstellung des Gegenstandes erwähnt
werden muß.
Meinen ursprünglichen Überlegungen über den Gegenstand
waren zwei Hypothesen zugrunde gelegt worden:
1. Es gibt eine von 0 verschiedene mittlere Dichte der
Materie im ganzen Raume, welche überall dieselbe ist.
2. Die Größe (bzw. der ,,Radius) des Raumes ist von der
Zeit unabhängig.
Diese beiden Hypothesen erwiesen sich nach der allgemeinen
Relativitätstheorie als miteinander vereinbar, aber nur dann, wenn
man den Feldgleichungen ein hypothetisches Glied beifügte, welches
die Theorie an sich weder forderte, noch vom theoretischen Standpunkte
als natürlich erschien (,,kosmologisches Glied der Feldgleichungen).
Die Hypothese 2 schien mir damals unvermeidlich, da es mir damals erschien,
daß man in uferlose Spekulationen geraten würde, wenn man von
ihr abginge.
Bereits in den 20er Jahren jedoch entdeckte der russische Mathematiker
FRIEDMAN, daß vom rein theoretischen Standpunkte eine abweichende
Annahme natürlicher war. Er erkannte nämlich, daß es möglich
war, die Hypothese 1 beizubehalten, ohne das an sich wenig natürliche
kosmologische Glied in die Feldgleichungen der Gravitation einzuführen,
wenn man sich dazu entschloß, die Hypothese 2 fallen zu lassen.
Die ursprünglichen Feldgleichungen erlauben nämlich eine Lösung,
in welcher der ,,Weltradius von der Zeit abhängt (expandierender
Raum). In diesem Sinne kann man mit FRIEDMAN behaupten, daß die
Theorie eine Expansion des Raumes verlange.
Wenige Jahre später zeigte HUBBLE durch seine spektralen Untersuchungen
an extra-galaktischen Nebeln (,,Milchstraßen), daß die
von diesen ausgesandten Spektrallinien eine mit der Distanz der Nebel
regelmäßig wachsende Rotverschiebung zeigen. Diese kann nach
unserem gegenwärtigen Wissen im Sinne des DOPPLERschen Prinzips nur
als eine Expansionsbewegung des Sternsystems im Großen gedeutet
werden — wie sie nach FRIEDMANs Untersuchung von den Feldgleichungen der
Gravitation gefordert wird. Die HUBBLEsche Entdeckung kann insofern also
als eine Bestätigung der Theorie gedeutet werden.
Es ergibt sich aber eine merkwürdige Schwierigkeit. Die (theoretisch
kaum bezweifelbare) Interpretation der von HUBBLE gefundenen galaktischen
Linienverschiebungen als Expansion führt auf einen Anfang der Expansion,
die ,,nur etwa 109 Jahre zurückliegt,
während die physikalische Astronomie es wahrscheinlich erscheinen
läßt, daß die Entwicklung der einzelnen Sterne und Sternsysteme
erheblich größere Zeiten erforderte. Es ist gegenwärtig
noch keineswegs sicher, wie diese Inkongruenzen zu überwinden sind.
Es sei auch bemerkt, daß die Theorie des expandierenden Raumes zusammen
mit den empirischen Daten der Astronomie keine Entscheidung über
die Endlichkeit oder Unendlichkeit des Raumes (dreidimensional) zuläßt,
während die ursprüngliche statische Hypothese des Raumes die
Geschlossenheit (Endlichkeit) des Raumes ergeben hatte.
5 Relativität und Raumproblem
Für die NEWTONsche Physik ist es charakteristisch,
daß sie dem Raume und der Zeit neben der Materie unabhängige
reale Existenz zuschreiben muß. Denn im NEWTONschen Bewegungsgesetz
tritt der Begriff der Beschleunigung auf. Beschleunigung kann aber in
dieser Theorie nur bedeuten ,,Beschleunigung gegenüber dem Raume.
Der NEWTONsche Raum muß also als ,,ruhend, oder mindestens
als ,,unbeschleunigt gedacht werden, daß man die Beschleunigung,
die im Bewegungsgesetz auftritt, als eine sinnvolle Größe betrachten
kann. Analoges gilt von der Zeit, welche ja ebenfalls in den Beschleunigungsbegriff
eingeht. NEWTON selbst und seine kritischsten Zeitgenossen haben es als
störend empfunden, daß man sowohl dem Raume selbst als auch
dessen Bewegungszustand physikalische Realität zuschreiben mußte;
aber es gab damals keinen anderen Ausweg, wenn man der Mechanik einen
klaren Sinn zuschreiben wollte.
Es ist schon eine harte Zumutung, daß man dem Raum überhaupt
physikalische Realität zuschreiben soll, insbesondere dem leeren
Raume. Die Philosophen haben seit den ältesten Zeiten immer wieder
gegen eine solche Zumutung sich gesträubt. DESCARTES argumentierte
etwa so: Raum ist wesensgleich mit Ausdehnung. Ausdehnung aber ist an
Körper gebunden. Also kein Raum ohne Körper, d.h. kein leerer
Raum. Die Schwäche dieser Schlußweise liegt in erster Linie
darin: Es ist zwar richtig, daß der Begriff Ausdehnung seine Entstehung
Erfahrungen verdankt, die wir an der Lagerung (Berührung) von festen
Körpern gemacht haben. Daraus kann man aber nicht folgern, daß
der Begriff der Ausdehnung nicht berechtigt sei in Fällen, die nicht
zur Bildung dieses Begriffes Anlaß gegeben hätten. Solche Erweiterung
von Begriffen kann auch indirekt durch ihren Wert für das Begreifen
von empirischen Befunden gerechtfertigt werden. Die Behauptung, Ausdehnung
sei an Körper gebunden, ist daher zwar an sich unbegründet.
Wir werden aber später sehen, daß die allgemeine Relativitätstheorie
DESCARTES' Auffassung auf einem Umweg bestätigt. Was DESCARTES zu
seiner merkwürdig anmutenden Auffassung gebracht
hat, war wohl das Gefühl, daß man einem nicht ,,direkt erfahrbaren24
Dinge wie dem Raume ohne dringende Notwendigkeit keine Realität zuschreiben
dürfe.
|
24Dieser Ausdruck ist
cum grano salis zu nehmen.
|
Der psychologische Ursprung des Raumbegriffes, bzw. dessen
Notwendigkeit, ist gar nicht so offenbar, wie es auf Grund unserer Denkgewohnheiten
erscheinen mag. Die alten Geometer handeln von gedanklichen Objekten (Gerade,
Punkt, Fläche) aber nicht eigentlich vom Raum als solchem, wie es
die analytische Geometrie später getan hat. Der Begriff Raum wird
aber nahegelegt durch gewisse primitive Erfahrungen. Man habe eine Schachtel
hergestellt. Man kann Objekte in gewisser Anordnung darin unterbringen,
so daß die Schachtel voll wird. Die Möglichkeit solcher Anordnungen
ist eine Eigenschaft des körperlichen Objektes Schachtel, etwas,
was mit der Schachtel gegeben ist, der von der Schachtel ,,umschlossene
Raum. Dies ist etwas, was für verschiedene Schachteln verschieden
ist, etwas, was ganz natürlich als unabhängig davon gedacht
wird, ob jeweilen überhaupt Objekte in der Schachtel sind oder nicht.
Wenn keine Objekte in der Schachtel liegen, so erscheint ihr Raum ,,leer.
Bisher ist unser Raumbegriff an die Schachtel gebunden. Es erweist sich
aber, daß die den Schachtel-Raum konstituierenden Lagerungsmöglichkeiten
davon unabhängig sind, wie dick die Schachtelwände sind. Kann
man diese Dicke nicht auf Null herabsinken lassen, ohne daß dabei
der ,,Raum verlorengeht? Die Natürlichkeit eines solchen Grenzprozesses
ist einleuchtend, und nun besteht für unser Denken der Raum ohne
Schachtel, ein selbständiges Ding, das doch als so unwirklich erscheint,
wenn man die Herkunft dieses Begriffes vergißt. Man versteht, daß
es DESCARTES widerstrebt hat, den Raum als ein Ding zu betrachten, unabhängig
von körperlichen Objekten, das ohne Materie existieren könne.25
(Dies hindert ihn allerdings nicht daran, den Raum als fundamentalen Begriff
zu behandeln in seiner analytischen Geometrie.) Ein Hinweis auf das Vakuum
im Quecksilber-Barometer hat wohl die letzten Kartesianer entwaffnet.
Aber es ist nicht zu leugnen, daß schon auf dieser primitiven Stufe
dem Raumbegriff bzw. dem Raum, gedacht als selbständiges reales Ding,
etwas Unbefriedigendes anhaftet.
|
25KANTs Versuch, das
Unbehagen durch Leugnung der Objektivität des Raumes abzuschaffen,
kann doch kaum ernst genommen werden. Die Lagerungsmöglichkeiten,
verkörpert durch den Innenraum einer Schachtel, sind in demselben
Sinne objektiv wie die Schachtel selbst und die in demselben lagerbaren
Objekte.
|
Die Arten, wie Körper in dem Raume (Schachtel) gelagert
werden können, sind der Gegenstand der dreidimensionalen euklidischen
Geometrie, deren axiomatischer Aufbau leicht darüber täuscht,
daß sie sich auf erlebbare Situationen bezieht.
Wenn nun in der oben skizzierten Weise, anschließend an Erfahrungen
über das ,,Ausfüllen der Schachtel, der Begriff Raum gebildet
ist, so ist dies zunächst ein begrenzter Raum. Diese Begrenztheit
erscheint aber unwesentlich, weil man anscheinend stets eine größere
Schachtel einführen kann, welche die kleinere umschließt. Der
Raum erscheint so als etwas Unbegrenztes.
Ich will nun hier nicht darüber handeln, daß die Auffassungen
von der Dreidimensionalität und der ,,Euklidizität des
Raumes auf (relativ primitive) Erfahrungen zurückgehen, sondern die
Rolle des Raumbegriffes in der Entwicklung des physikalischen Denkens
zunächst nach anderen Gesichtspunkten betrachten.
Wenn eine kleinere Schachtel s sich im Innern des Hohlraumes einer
größeren Schachtel S in relativer Ruhe befindet, so
ist der Hohlraum von s ein Teil des Hohlraumes von S, und
zu beiden Schachteln gehört derselbe sie beide enthaltende ,,Raum.
Weniger einfach aber ist die Auffassung, wenn s gegenüber
S in Bewegung ist. Dann ist man geneigt zu denken, s umschließe
stets denselben Raum, aber einen veränderlichen Teil des Raumes S.
Man ist dann genötigt, jeder Schachtel ihren besonderen (nicht als
begrenzt gedachten) Raum zuzuordnen und anzunehmen, daß diese beiden
Räume gegeneinander bewegt seien.
Bevor man auf diese Komplikation aufmerksam geworden ist,
erscheint der Raum als ein begrenztes Medium (Behälter), in dem die
körperlichen Objekte herumschwimmen. Nun aber muß man denken,
daß es unendlich viele Räume gibt, die gegeneinander bewegt
sind. Der Begriff Raum als ein unabhängig von den Dingen objektiv
Existierendes gehört schon dem vorwissenschaftlichen Denken an, nicht
aber die Idee von der Existenz einer unendlichen Zahl von gegeneinander
bewegten Räumen. Diese letztere Idee ist zwar logisch unvermeidlich,
spielte aber selbst im wissenschaftlichen Denken lange keine erhebliche
Rolle.
Wie steht es aber mit dem psychologischen Ursprung des Zeitbegriffes?
Dieser Begriff hängt unzweifelhaft zusammen mit der Tatsache des
,,Sich-Erinnerns, sowie mit der Unterscheidung zwischen Sinnen-Erlebnissen
und der Erinnerung an solche. An sich ist es fraglich, ob uns die Unterscheidung
zwischen Sinnen-Erlebnis und Erinnerung (bzw. bloße Vorstellung)
etwas psychologisch unmittelbar Gegebenes ist. Jeder hat erlebt, daß
er im Zweifel war, ob er etwas sinnlich erlebt oder bloß geträumt
hat. Wahrscheinlich kommt diese Unterscheidung erst als Akt des ordnenden
Verstandes zustande.
Der ,,Erinnerung wird ein Erlebnis zugeordnet, welches als ,,früher
betrachtet wird im Vergleich zu ,,gegenwärtigen Erlebnissen.
Es ist dies ein begriffliches Ordnungsprinzip für (gedachte) Erlebnisse,
dessen Durchführbarkeit Anlaß gibt zu dem subjektiven Zeitbegriff,
d.h. jenem Zeitbegriff, der sich auf die Ordnung der Erlebnisse des Individuums
bezieht.
Objektivierung des Zeithegriffes. Beispiel. Person A (,,ich)
hat das Erlebnis ,,es blitzt. Person A erlebt dabei auch
ein solches Verhalten der Person B, das das Verhalten von B
mit dem eigenen Erlebnis ,,es blitzt in Beziehung bringt. So kommt
es dazu, daß A dem B das Erlebnis ,,es blitzt
zuordnet. Für Person A entsteht die Auffassung, daß
an dem ,,es blitzt auch andere Personen teilhaben. Das ,,es blitzt
wird nun nicht mehr als ausschließlich persönliches Erlebnis
aufgefaßt, sondern als Erlebnis (oder endlich nur als ,,potentielles
Erlebnis) anderer Personen. Es entsteht so die Auffassung, daß
das ,,es blitzt, welches ursprünglich als ,,Erlebnis
seinen Einzug in das Bewußtsein hielt, nun auch als (objektives)
,,Ereignis (event) aufgefaßt wird. Der Inbegriff aller Ereignisse
aber ist es, was wir meinen, wenn wir von der ,,realen Außenwelt
sprechen.
Wir haben gesehen, daß wir uns dazu bewogen fühlen, den Erlebnissen
eine zeitliche Ordnung zuzuschreiben von der Art: Wenn b
später als a und g
später als b, so ist auch g
später als a (Reihenfolge der ,,Erlebnisse).
Wie steht es nun in dieser Hinsicht mit den Ereignissen, die wir den Erlebnissen
zugeordnet haben? Am nächsten liegt es offenbar anzunehmen, daß
eine zeitliche Ordnung der Ereignisse existiert, die mit der zeitlichen
Ordnung der Erlebnisse übereinstimmt. Dies tat man auch allgemein
und unbewußt, bis sich skeptische Bedenken geltend machten.26
|
26Zum Beispiel kann
die auf akustischem Wege erlangte zeitliche Ordnung von Erlebnissen
mit der visuell gewonnenen zeitlichen Ordnung differieren, so daß
man die zeitliche Ordnung der Ereignisse mit der zeitlichen Ordnung
der Erlebnisse nicht einfach identifizieren kann.
|
Um zu einer Objektivierung der Welt zu gelangen, bedarf
es noch einer zusätzlichen konstruktiven Idee: Das event ist auch
im Raume lokalisiert, nicht nur in der Zeit.
Im Vorstehenden haben wir zu schildern versucht, wie die Begriffe Raum,
Zeit und event mit den Erlebnissen in psychologische Beziehung gesetzt
werden können. Logisch betrachtet sind es freie Schöpfungen
der menschlichen Intelligenz, Werkzeuge des Denkens, die dazu dienen sollen,
die Erlebnisse in Zusammenhang zu bringen und sie dadurch besser überschauen
zu können. Der Versuch, sich der empirischen Quellen dieser Grundbegriffe
bewußt zu werden, soll zeigen, inwieweit wir an diese Begriffe tatsächlich
gebunden sind. Wir werden so unserer Freiheit bewußt, von der im
Falle der Notwendigkeit einen vernünftigen Gebrauch zu machen, stets
ein hartes Geschäft ist.
Zu dieser Skizze betreffend den psychologischen Ursprung
der Begriffe Raum-Zeit-event (wir wollen sie kürzer ,,raumartig
nennen im Gegensatz zu Begriffen aus der psychologischen Sphäre)
haben wir noch etwas Wesentliches nachzutragen. Wir haben den Raumbegriff
an Erlebnisse an Schachteln und Anordnung von körperlichen Objekten
in diesen angeknüpft. Diese Begriffsbildung setzt also schon den
Begriff des körperlichen Objektes voraus (z.B. ,,Schachtel).
Ebenso spielen auch die Personen, welche für die Bildung eines objektiven
Zeitbegriffes eingeführt werden mußten, in diesem Zusammenhang
die Rolle von körperlichen Objekten. Es scheint mir deshalb, daß
unseren Begriffen von Zeit und Raum die Bildung des Begriffes des körperlichen
Objektes vorausgehen muß.
Diese raumartigen Begriffe gehören alle bereits dem vorwissenschaftlichen
Denken an neben Begriffen aus der psychologischen Sphäre, wie Schmerz,
Ziel, Zweck usw. Für das physikalische wie überhaupt naturwissenschaftliche
Denken ist es nun charakteristisch, daß es im Prinzip mit den ,,raumartigen
Begriffen allein auszukommen trachtet und mit ihnen alle gesetzlichen
Beziehungen auszudrücken strebt. Der Physiker sucht Farben und Töne
auf Schwingungen zu reduzieren, der Physiologe Denken und Schmerz auf
nervöse Prozesse, derart, daß das Psychische als solches aus
dem Kausal-Nexus des Seienden eliminiert wird, also nirgends als selbständiges
Bindeglied in den kausalen Zusammenhängen auftritt. Diese Einstellung,
welche die Erfassung aller Zusammenhänge unter exklusiver Verwendung
nur ,,raumartiger Begriffe für im Prinzip möglich betrachtet,
ist es wohl, was man gegenwärtig unter ,,Materialismus versteht
(nachdem ,,Materie ihre Rolle als Fundamental-begriff verloren hat).
Warum ist es nötig, die Grundbegriffe naturwissenschaftlichen
Denkens aus den platonischen olympischen Gefilden herunterzuholen und
zu versuchen, deren irdische Herkunft aufzudecken? Antwort: Um diese Begriffe
von dem an ihnen haftenden Tabu zu befreien, und damit größere
Freiheit in der Begriffsbildung zu erlangen. Diese kritische Besinnung
eingeleitet zu haben, ist in erster Linie das unvergängliche Verdienst
von D. HUME und E. MACH.
Die Wissenschaft hat die Begriffe Raum, Zeit, körperliches Objekt
(mit dem wichtigen Spezialfall ,,fester Körper) aus dem vorwissenschaftlichen
Denken übernommen, präzisiert und modifiziert. Ihre erste bedeutende
Leistung war die Entwicklung der euklidischen Geometrie. Deren axiomatische
Formulierung darf uns nicht über deren empirischen Ursprung (Lagerungsmöglichkeiten
fester Körper) hinwegtäuschen. Empirischen Ursprungs ist im
besonderen auch die Dreidimensionalität des Raumes sowie dessen euklidischer
Charakter (er läßt sich lückenlos durch gleichbeschaffene
,,Kuben ausfüllen).
Die Subtilität des Raumbegriffes wurde erhöht durch die Entdeckung,
daß es keine völlig starren Körper gibt. Alle Körper
sind elastisch deformierbar und ändern ihr Volumen bei Temperaturänderung.
Die Gebilde, deren mögliche Lagerungen durch die euklidische Geometrie
beschrieben werden sollen, lassen sich deshalb nicht losgelöst von
dem Inhalte der Physik angeben. Da aber die Physik bei Festlegung ihrer
Begriffe schon von der Geometrie Gebrauch machen muß, so läßt
sich der empirische Gehalt der Geometrie nur im Rahmen der gesamten Physik
angeben und prüfen.
In diesem Zusammenhange muß auch der Atomistik gedacht werden und
ihrer Auffassung der endlichen Teilbarkeit. Denn Räume subatomistischer
Ausdehnung lassen sich nicht ausmessen. Auch zwingt die Atomistik dazu,
die Idee scharf und statisch definierter Begrenzungsflächen fester
Körper im Prinzip aufzugeben. Dann gibt es strenggenommen keine selbständigen
Gesetze für die Lagerungsmöglichkeiten fester Körper, selbst
nicht im Makrogebiet.
Trotzdem dachte niemand daran, den Raumbegriff aufzugeben; denn er schien
unentbehrlich in dem vortrefflich sich bewährenden Gesamtsystem der
Naturwissenschaft. MACH war im 19. Jahrhundert der einzige, der ernsthaft
an eine Elimination des Raumbegriffes dachte, indem er ihn durch den Begriff
der Gesamtheit der gegenwärtigen Distanzen aller materiellen Punkte
zu ersetzen suchte. (Er machte diesen Versuch, um zu einer befriedigenden
Auffassung der Trägheit zu gelangen.)
Das Feld. In der NEWTONschen Mechanik spielen Raum und Zeit eine doppelte
Rolle. Erstens als Träger bzw. Rahmen für das physikalische
Geschehen, in bezug auf welchen die Ereignisse durch die Raum-Koordinaten
und die Zeit beschrieben werden. Die Materie wird im Prinzip als aus ,,materiellen
Punkten bestehend gesucht, deren Bewegungen das physikalische Geschehen
ausmachen. Wenn die Materie als kontinuierlich gedacht wird, so geschieht
dies gewissermaßen als provisorisch in solchen Fällen, in denen
man die diskrete Struktur nicht beschreiben will oder kann. In diesem
Falle werden kleine Teile (Volumelemente) der Materie ähnlich behandelt
wie materielle Punkte, wenigstens soweit es sich bloß um Bewegungen
handelt und nicht um Vorgänge, deren Zurückführung auf
Bewegungen einstweilen nicht möglich oder nicht zweckmäßig
war (z.B. Temperaturänderungen, chemische Vorgänge). Die zweite
Rolle von Raum und Zeit war die als ,,Inertialsystem. Inertialsysteme
waren von allen denkbaren Bezugssystemen dadurch bevorzugt gedacht, daß
in bezug auf sie der Trägheitssatz Gültigkeit beanspruchte.
Das Wesentliche ist dabei, daß das unabhängig von den erlebenden
Subjekten gedachte ,,physikalisch Reale als aus Raum und Zeit einerseits
und aus, mit Bezug auf diese, bewegten dauernd existierenden materiellen
Punkten andererseits aufgefaßt wurde — wenigstens im Prinzip. Die
Idee der unabhängigen Existenz von Raum und Zeit kann man drastisch
so aussprechen: Wenn die Materie verschwände, so würden Raum
und Zeit allein übrig bleiben (als eine Art Bühne für physikalisches
Geschehen).
Die Überwindung dieses Standpunktes hat sich aus einer Entwicklung
ergeben, die zunächst mit dem Raum-Zeit-Problem nichts zu tun zu
haben schien — das Auftreten des Feldbegriffes und dessen schließlichen
Anspruch, den Partikelbegriff (materiellen Punkt) im Prinzip zu ersetzen.
Im Rahmen der klassischen Physik stellte sich der Feldbegriff als Hilfsbegriff
ein, in Fällen, in denen man die Materie als Kontinuum behandelte.
Bei der Betrachtung der Wärme-leitung in einem festen Körper
z.B. wird der Zustand dadurch beschrieben, daß in jedem Punkte des
Körpers für jede bestimmte Zeit die Temperatur angegeben wird.
Mathematisch bedeutet dies: die Temperatur T wird als mathematischer
Ausdruck (Funktion) der räumlichen Koordination mit der Zeit t
dargestellt (Temperatur-feld). Das Gesetz der Wärmeleitung wird als
eine lokale Beziehung (Differentialgleichung) dargestellt, welche alle
Sonderfälle der Wärmeleitung umfaßt. Die Temperatur ist
hier ein einfaches Beispiel für den Begriff des Feldes. Es ist dies
eine Größe (oder ein Komplex von Größen), welche
Funktion der Koordinaten und der Zeit ist. Ein anderes Beispiel ist die
Beschreibung der Bewegung einer Flüssigkeit. In jedem Punkte gibt
es zu jeder Zeit eine Geschwindigkeit, die durch ihre drei ,,Komponenten
in bezug auf die Achsen eines Koordinatensystems quantitativ beschrieben
wird (Vektor). Die Komponenten der Geschwindigkeit in einem Punkte (Feldkomponenten)
sind auch hier Funktionen von Koordinaten (x y z) und Zeit (t).
Für die genannten Felder ist es charakteristisch, daß sie nur
im Innern einer ponderablen Masse auftreten; sie wollen nur einen Zustand
dieser Materie beschreiben. Wo keine Materie vorhanden war, da konnte
— gemäß der Entstehungsgeschichte des Feldbegriffes — auch
kein Feld existieren. Nun zeigte es sich aber im ersten Viertel des 19.
Jahrhunderts, daß die Interferenz- und Beugungserscheinungen des
Lichtes sich mit erstaunlicher Schärfe erklären ließen,
wenn man das Licht als ein Wellenfeld auffaßte, das dem mechanischen
Schwingungsfelde in einem elastischen festen Körper völlig analog
war. So fühlte man sich dazu genötigt, ein Feld einzuführen,
das auch in der Abwesenheit ponderabler Materie im leeren Raume existieren
konnte.
Diese Sachlage schuf eine paradoxe Situation, weil der Feldbegriff gemäß
seinem Ursprung darauf beschränkt schien, Zustände im Innern
eines ponderablen Körpers zu beschreiben. Dies schien um so sicherer
zu sein, als man davon überzeugt war, daß jegliches Feld als
mechanisch interpretierbarer Zustand aufzufassen sei, was die Anwesenheit
von Materie voraussetzte. So fühlte man sich gezwungen, auch in dem
bisher als leer aufgefaßten Raume überall die Existenz einer
Materie anzunehmen, die man ,,Äther nannte.
Die Emanzipation des Feldbegriffes von der Annahme der Setzung eines materiellen
Trägers gehört zu den psychologisch interessantesten Vorgängen
in der Entwicklung des physikalischen Denkens. In der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts wurde es im Anschluß an FARADAYs und MAXWELLs
Forschungen immer klarer, daß die feldartige Beschreibung der elektromagnetischen
Vorgänge einer Behandlung auf der Basis punktmechanischer Begriffe
weit überlegen war. Durch die Einführung des Feldbegriffes in
die Elektrodynamik gelang es MAXWELL, die Existenz elektromagnetischer
Wellen vorauszusagen, deren prinzipielle Identität mit den Lichtwellen
schon wegen der Gleichheit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit nicht zu
bezweifeln war. Dadurch wurde die Optik im Prinzip von der Elektrodynamik
absorbiert. Eine psychologische Wirkung dieses gewaltigen Erfolges
war die, daß der Feldbegriff gegenüber dem mechanistischen
Rahmen der klassischen Physik allmählich größere Selbständigkeit
gewann.
Aber dennoch war zunächst als selbstverständlich angenommen,
daß die elektromagnetischen Felder als Zustände des Äthers
gedeutet werden müssen, und man suchte mit großem Eifer diese
Zustände als mechanische zu erklären. Erst als diese Bemühungen
stets scheiterten, gewöhnte man sich langsam daran, auf solche mechanische
Interpretation zu verzichten. Immer noch haftete jedoch die Überzeugung,
daß die elektromagnetischen Felder Zustände des Äthers
seien; so stand es um die Jahrhundertwende.
Die Äthertheorie brachte die Frage mit sich: Wie verhält sich
der Äther in mechanischer Beziehung zu den ponderablen Körpern?
Nimmt er an den Bewegungen der Körper teil oder ruhen seine Teile
relativ zueinander? Viele geistreiche Experimente wurden zur Entscheidung
dieser Frage unternommen. Als in diesem Zusammenhange wichtige Tatsachen
kamen auch in Betracht die Aberration der Fixsterne infolge der jährlichen
Bewegung der Erde sowie der ,,DOPPLER-Effekt (Einfluß der
Relativbewegung der Fixsterne auf die Frequenz des zu uns gelangenden
Lichtes von bekannter Emissionsfrequenz). Die Ergebnisse dieser Tatsachen
und Experimente (bis auf eines, das MICHELSON-MORLEY-Experiment) erklärte
H. A. LORENTZ unter der Annahme, daß der Äther an den Bewegungen
der ponderablen Körper nicht teilnimmt, und daß die Teile des
Äthers überhaupt keine Relativbewegungen zueinander haben. Der
Äther erschien so gewissermaßen als die Verkörperung eines
absolut ruhenden Raumes. Die LORENTZsche Untersuchung leistete aber noch
mehr. Sie erklärte die damals bekannten elektromagnetischen und optischen
Vorgänge im Innern ponderabler Körper unter der Annahme, daß
der Einfluß der ponderablen Materie auf das elektrische Feld (und
umgekehrt) nur darauf zurückzuführen sei, daß die Teilchen
der Materie elektrische Ladungen tragen, die an der Bewegung der Teilchen
teilnehmen. Betreffend den Versuch von MICHELSON und MORLEY zeigte H.
A. LORENTZ, daß dessen Ergebnis wenigstens nicht im Widerspruch
sei mit der Theorie des ruhenden Äthers.
Trotz aller dieser schönen Erfolge war der Stand
der Theorie doch nicht voll befriedigend, und zwar aus folgendem Grunde.
Die klassische Mechanik, von der doch nicht bezweifelt werden konnte,
daß sie mit großer Näherung gilt, lehrt die Gleichwertigkeit
aller Inertialsysteme (bzw. Intertialräume) für die Formulierung
der Naturgesetze (Invarianz der Naturgesetze in bezug auf den Übergang
von einem Inertialsystem auf ein anderes). Die elektromagnetischen und
optischen Experimente lehrten dasselbe mit erheblicher Genauigkeit.
Aber das Fundament der elektromagnetischen Theorie lehrte die Bevorzugung
eines besonderen Inertialsystems, nämlich das des ruhenden Lichtäthers.
Diese Auffassung des theoretischen Fundamentes war gar zu unbefriedigend.
Gab es keine Modifikation des letzteren, welche — wie die klassische Mechanik
— der Gleichwertigkeit der Inertialsysteme (spezielles Relativitätsprinzip)
gerecht wird?
Die Antwort auf diese Frage ist die spezielle Relativitätstheorie.
Diese übernimmt von der MAXWELL-LORENTZschen Theorie die Voraussetzung
der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit im leeren Raum. Um diese mit der
Gleichwertigkeit der Inertialsysteme (spezielles Relativitätsprinzip)
in Einklang zu bringen, muß der absolute Charakter der Gleichzeitigkeit
aufgegeben werden; außerdem folgen die LORENTZ-Transformationen
für die Zeit und die Raum-Koordinaten für den Übergang
von einem Inertialsystem zu einem andern. Der ganze Inhalt der speziellen
Relativitätstheorie ist in dem Postulat eingeschlossen: Die Naturgesetze
sind invariant in bezug auf die LORENTZ-Transformationen. Das Wichtige
dieser Forderung liegt darin, daß sie die möglichen Naturgesetze
in bestimmter Weise einschränkt.
Wie steht die spezielle Relativitätstheorie zum Raumproblem? Zuerst
muß man sich vor der Meinung hüten, daß die Vierdimensionalität
der Realität durch diese Theorie erst neu eingeführt worden
sei. Auch in der klassischen Mechanik ist das Ereignis (event) durch vier
Zahlen lokalisiert, nämlich durch drei räumliche Koordinaten
und eine zeitliche Koordinate; die Gesamtheit der physikalischen ,,events
ist also als in eine vierdimensionale kontinuierliche Mannigfaltigkeit
eingebettet gedacht. Aber gemäß der klassischen Mechanik zerfällt
dieses vierdimensionale Kontinuum objektiv in die eindimensionale Zeit
und in dreidimensionale räumliche Schnitte, welch letztere nur gleichzeitige
events enthalten. Dieser Zerfall ist für alle Inertialsysteme derselbe.
Die Gleichzeitigkeit zweier bestimmter events in bezug auf ein Inertialsystem
involviert die Gleichzeitigkeit dieser events in bezug auf alle Inertialsysteme.
Dies ist gemeint, wenn man sagt, die Zeit der klassischen Mechanik ist
absolut. Gemäß der speziellen Relativitätstheorie ist
es anders. Der Inbegriff der events, welche mit einem ins Auge gefaßten
event gleichzeitig sind, existiert zwar in bezug auf ein bestimmtes Inertialsystem,
aber nicht mehr unabhängig von der Wahl des Inertialsystems. Das
vierdimensionale Kontinuum zerfällt nun nicht mehr objektiv in Schnitte,
welche alle gleichzeitigen events enthalten; das ,,Jetzt verliert
für die räumlich ausgedehnte Welt seine objektive Bedeutung.
Damit hängt es zusammen, daß man Raum und Zeit objektiv unauflösbar
als vierdimensionales Kontinuum auffassen muß, wenn man den Inhalt
der objektiven Beziehungen ohne entbehrliche konventionelle Willkür
ausdrücken will.
Indem die spezielle Relativitätstheorie die physikalische Gleichwertigkeit
aller Inertialsysteme aufzeigte, erwies sie die Unhaltbarkeit der Hypothese
des ruhenden Äthers. Man mußte daher auf die Idee verzichten,
daß das elektromagnetische Feld als Zustand eines materiellen Trägers
aufzufassen sei. Das Feld wird damit zu einem irreduziblen Element der
physikalischen Beschreibung, irreduzibel in demselben Sinne wie der Begriff
der Materie in der NEWTONschen Theorie.
Bis hierher haben wir unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet, inwiefern
die Begriffe Raum und Zeit durch die spezielle Relativitätstheorie
modifiziert wurden. Nun aber wollen wir jene Elemente ins Auge fassen,
welche diese Theorie von der klassischen Mechanik genommen haben. Auch
hier beanspruchen die Naturgesetze nur dann Geltung, wenn der raum-zeitlichen
Beschreibung ein Inertialsystem zugrunde gelegt wird. Nur in bezug auf
ein Inertialsystem soll das Trägheitsprinzip und das Prinzip von
der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit gelten. Auch die Feldgesetze beanspruchen
Sinn und Geltung nur in bezug auf Inertialsysteme. Wie in der klassischen
Mechanik ist also auch hier der Raum eine selbständige Komponente
der Darstellung des physikalischen Realen. Der (Inertial-)Raum — oder
genauer gesagt, dieser Raum zusammen mit der zugehörigen Zeit — bleibt
übrig, wenn man Materie und Feld weggenommen denkt. Dies vierdimensionale
Gebilde (MINKOWSKI-Raum) ist als Träger der Materie und des Feldes
gedacht. Die Inertialräume mit ihren zugehörigen Zeiten sind
nur privilegierte vierdimensionale Koordinatensysteme, die miteinander
durch die linearen LORENTZ-Transformationen verknüpft sind. Da es
in diesem vierdimensionalen Gebilde keine Schnitte mehr gibt, welche das
,,Jetzt objektiv repräsentieren, wird der Begriff des Geschehens
und Werdens zwar nicht völlig aufgehoben, aber doch kompliziert.
Es erscheint deshalb natürlicher, das physikalisch Reale als ein
vierdimensionales Sein zu denken statt wie bisher als das Werden eines
dreidimensionalen Seins.
Dieser starre vierdimensionale Raum der speziellen Relativitätstheorie
ist gewissermaßen ein vierdimensionales Analogon des H. A. LORENTZschen
starren dreidimensionalen Äthers. Auch für diese Theorie gilt
die Aussage: Die Beschreibung der physikalischen Zustände setzt den
Raum als von vornherein gegeben und als unabhängig existierend voraus.
Auch diese Theorie beseitigt also nicht DESCARTES' Unbehagen betreffend
die selbständige, ja sogar A-priori-Existenz des ,,leeren Raumes.
Inwiefern dieses Bedenken durch die allgemeine Relativitätstheorie
überwunden wird, dies zu zeigen, ist das eigentliche Ziel der hier
gegebenen elementaren Überlegungen.
Der Raumbegriff in der allgemeinen Relativitätstheorie. Diese
Theorie ist in erster Linie aus der Bestrebung hervorgegangen, die Gleichheit
der trägen und schweren Masse zu begreifen. Man geht aus von einem
Inertialsystem S1, dessen Raum
physikalisch leer ist. Das heißt, es existiere in dem ins Auge gefaßten
Teil des Raumes weder Materie (im üblichen Sinne) noch ein Feld im
Sinne der speziellen Relativitätstheorie. Mit Bezug auf S1
sei ein zweites Bezugssystem S2
gleichförmig beschleunigt. S2 ist dann also kein
Inertialsystem. In bezug auf S2
würde sich jede Probemasse beschleunigt bewegen, und zwar unabhängig
von ihrer physikalischen und chemischen Beschaffenheit. In bezug auf S2
besteht also ein Zustand, den man — wenigstens in erster Näherung
— von einem Gravitationsfelde nicht unterscheiden kann. Mit dem wahrnehmbaren
Tatbestand ist also die Auffassung vereinbar: Auch S2
ist gleichwertig mit einem ,,Inertialsystem; es ist aber in bezug
auf S2 ein (homogenes) Gravitationsfeld
vorhanden (um dessen Ursprung man sich in diesem Zusammenhang nicht kümmert).
Wenn man also das Gravitationsfeld in den Rahmen der Betrachtung einbezieht,
so verliert das Inertialsystem seine objektive Bedeutung, vorausgesetzt,
daß dieses ,,Äquivalenzprinzip auf beliebige Relativbewegung
der Bezugssysteme ausgedehnt werden kann. Wenn es möglich ist, auf
diesen Grundgedanken eine konsistente Theorie zu gründen, so genügt
sie von selbst der empirisch stark begründeten Tatsache der Gleichheit
der trägen und schweren Masse.
Vierdimensional betrachtet entspricht dem Übergang von S1
zu S2 eine nichtlineare Transformation
der vier Koordinaten. Es entsteht nun die Frage: Was für nichtlineare
Transformationen soll man zulassen bzw. wie ist die LORENTZ-Transformation
zu verallgemeinern? Für die Beantwortung dieser Frage ist folgende
Überlegung maßgebend.
Dem Inertialsystem der früheren Theorien wird die Eigenschaft zugeschrieben:
Koordinatendifferenzen werden durch (ruhende) ,,starre Maßstäbe
gemessen. Zeitdifferenzen durch (ruhende) Uhren. Die erste Annahme wird
ergänzt durch die Annahme, daß für die relativen Lagerungsmöglichkeiten
ruhender Maßstäbe die Sätze der ,,Strecken der euklidischen
Geometrie gelten. Aus den Ergebnissen der speziellen Relativitätstheorie
folgert man dann durch elementare Betrachtungen, daß diese unmittelbare
physikalische Deutung der Koordinaten für relative zu Inertialsystemen
(S1) beschleunigte Bezugssysteme
(S2) verlorengeht. Ist dies aber
der Fall, so drücken die Koordinaten nur mehr die Ordnung des ,,Nebeneinander
(und damit auch den Dimensionsgrad des Raumes) aus, aber keine metrischen
Eigenschaften des Raumes. Man kommt so dazu, die Transformationen auf
beliebige stetige Transformationen27
auszudehnen. Dies impliziert das allgemeine Relativitätsprinzip.
Die Naturgesetze müssen kovariant sein in bezug auf beliebige kontinuierliche
Transformationen der Koordinaten. Diese Forderung (in Verbindung mit der
Forderung möglichster logischer Einfachheit der Gesetze) schränkt
die in Betracht kommenden Naturgesetze unvergleichlich stärker ein
als das spezielle Relativitätsprinzip.
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27Diese nicht exakte
Ausdrucksweise mag hier genügen.
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Dieser Gedankengang ist wesentlich auf das Feld als selbständigen
Begriff gegründet. Denn die in bezug auf (S2)
obwaltenden Verhältnisse werden als Gravitationsfeld gedeutet, ohne
daß die Frage nach der Existenz von Massen aufgeworfen wird, welche
dieses Feld erzeugen. Dieser Gedankengang läßt es auch begreifen,
warum die Gesetze des reinen Gravitationsfeldes unmittelbarer mit der
Idee der allgemeinen Relativität verknüpft sind als die Gesetze
für die Felder allgemeiner Art (wenn z.B. ein elektromagnetisches
Feld vorhanden ist). Wir haben nämlich guten Grund zu der Annahme,
daß der ,,feldfreie MINKOWSKI-Raum einen naturgesetzlich möglichen
Sonderfall darstellt, und zwar den denkbar einfachsten Sonderfall. Ein
solcher Raum ist bezüglich seiner metrischen Eigenschaft dadurch
charakterisiert, dx12
+ dx22
+ dx32
das Quadrat des mit einem Einheitsmaß gemessenen räumlichen
Abstandes zweier infinitesimal benachbarter Punkte eines dreidimensionalen
raumartigen Querschnittes ist (PYTHAGOREIScher Satz), während dx4
der mit geeignetem Zeitmaß gemessene zeitliche Abstand zweier Ereignisse
mit gemeinsamen (x1, x2,
x3) ist. Dies zusammen kommt — wie
mit Hilfe der LORENTZ-Transformationen leicht zu zeigen ist — darauf hinaus,
daß der Größe
(1)
eine objektive metrische Bedeutung zukommt. Mathematisch
entspricht dieser Tatsache der Umstand, daß ds2
in bezug auf LORENTZ-Transformationen invariant ist.
Unterwirft man nun diesen Raum im Sinne des allgemeinen Relativitätsprinzips
einer beliebigen stetigen Transformation der Koordinaten, so drückt
sich die objektiv sinnvolle Größe im neuen Koordinatensystem
durch die Beziehung aus
(1a)
wobei über die Indices i und k über
alle Kombinationen 11,12, ... bis 44 zu summieren ist. Die gik
sind aber nun nicht Konstante, sondern Funktionen der Koordinaten, welche
durch die willkürlich gewählte Transformation bestimmt sind.
Trotzdem sind die gik
nicht willkürliche Funktionen der neuen Koordinaten, sondern eben
solche Funktionen, daß die Form (1a) durch eine stetige Transformation
der vier Koordinaten wieder in die Form (1) zurücktransformiert werden
kann. Damit dies möglich sei, müssen die Funktionen gik
gewisse allgemein kovariante Bedingungsgleichungen erfüllen, welche
B. RIEMANN mehr als ein halbes Jahrhundert vor Aufstellung der allgemeinen
Relativitätstheorie abgeleitet hat (,,RIEMANN-Bedingung). Nach
dem Äquivalenzprinzip beschreibt (1a) in allgemein kovarianter Form
ein Gravitationsfeld spezieller Art, wenn die gik die
RIEMANN-Bedingung erfüllen.
Das Gesetz für das reine Gravitationsfeld allgemeiner Art muß
also folgende Bedingungen erfüllen. Es muß erfüllt sein,
wenn die RIEMANN-Bedingung erfüllt ist; es muß aber schwächer
sein, also weniger einschränken, als die RIEMANN-Bedingung. Dadurch
ist das Feldgesetz der reinen Gravitation praktisch vollständig bestimmt,
was hier nicht näher begründet werden soll.
Nun sind wir vorbereitet zu sehen, inwiefern der Übergang zur allgemeinen
Relativitätstheorie den Raumbegriff modifiziert. Gemäß
der klassischen Mechanik und gemäß der speziellen Relativitätstheorie
hat der Raum (Raum — Zeit) eine selbständige Existenz gegenüber
Materie bzw. Feld. Um das Raum-Erfüllende, von den Koordinaten Abhängige,
überhaupt beschreiben zu können, muß Raum-Zeit bzw. das
Inertialsystem mit seinen metrischen Eigenschaften schon von vornherein
als vorhanden gedacht werden, weil sonst die Beschreibung des ,,Raum-Erfüllenden
nicht sinnvoll wäre.28
Gemäß der allgemeinen Relativitätstheorie dagegen hat
der Raum gegenüber dem ,,Raum-Erfüllenden, von den Koordinaten
Abhängigen, keine Sonderexistenz. Man habe z.B. ein reines Gravitationsfeld
durch die gik
(als Funktionen der Koordinaten) beschrieben durch Lösung der Gravitationsgleichungen.
Wenn man das Gravitationsfeld, d.h. die Funktionen gik
weggenommen denkt, so bleibt nicht etwa ein Raum vom Typus (1), sondern
überhaupt nichts übrig, auch kein ,,topologischer Raum.
Denn die Funktionen gik beschreiben
nicht nur das Feld, sondern gleichzeitig auch die topologische und metrische
Struktur-Eigenschaften der Mannigfaltigkeit. Ein Raum vom Typus (1) ist
im Sinne der allgemeinen Relativitätstheorie nicht etwa ein Raum
ohne Feld, sondern ein Spezialfall des gik-Feldes,
für welchen die gik
(für das verwendete Koordinatensystem, das an sich keine objektive
Bedeutung hat) Werte haben, die nicht von den Koordinaten abhängen;
einen leeren Raum, d.h. einen Raum ohne Feld, gibt es nicht.
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28Denkt man das Raum-Erfüllende
(z.B. das Feld) weggenommen, so bleibt immer noch der metrische
Raum gemäß (1) übrig, der auch für das Trägheits-Verhalten
eines in ihn gebrachten Probekörpers bestimmend wäre.
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DESCARTES hatte demnach nicht so unrecht, wenn er die
Existenz eines leeren Raumes ausschließen zu müssen glaubte.
Die Meinung erscheint zwar absurd, solange man das physikalische Reale
ausschließlich in den ponderablen Körpern sieht. Erst die Idee
des Feldes als Darsteller des Realen in Verbindung mit dem allgemeinen
Relativitätsprinzip zeigt den wahren Kern von DESCARTES' Idee: es
gibt keinen ,,feld-leeren Raum.
Verallgemeinerte Gravitationstheorie. Die Theorie des reinen Gravitationsfeldes
auf dem Boden der allgemeinen Relativitätstheorie ist darum leicht
zugänglich, weil wir darauf vertrauen dürfen, daß der
,,feldfreie MINKOWSKI-Raum mit der Metrik gemäß (1) den
allgemeinen Feldgesetzen entsprechen muß. Aus diesem Sonderfall
folgt das Gravitationsgesetz durch eine so gut wie keine Willkür
enthaltende Verallgemeinerung. Die weitere Entwicklung der Theorie ist
durch das allgemeine Relativitatsprinzip nicht so eindeutig bestimmt;
sie ist in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Richtungen versucht
worden. Allen diesen Versuchen gemeinsam ist es, das Physikalisch-Reale
als Feld aufzufassen, wobei dies Feld eine Verallgemeinerung des Gravitationsfeldes,
das Feldgesetz eine Verallgemeinerung des Gesetzes für das reine
Gravitationsfeld ist. Ich glaube nun, nach langem Tasten die natürlichste
Form für diese Verallgemeinerung gefunden zu haben,29
war aber bisher nicht imstande herauszufinden, ob dies verallgemeinerte
Gesetz den Erfahrungstatsachen gegenüber standhält.
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29Die Verallgemeinerung
kann man wie folgt charakterisieren. Das reine Gravitationsfeld
der gik hat gemäß seiner Herleitung
aus dem leeren ,,MINKOW5KI-Raum die Symmetrie-Eigenschaft
gik = gki (g12
= g21 usw.). Das verallgemeinerte Feld ist von
derselben Art, aber ohne die genannte Symmetrie-Eigenschaft. Die
Ableitung des Feldgesetzes ist der des Spezialfalles der reinen
Gravitation völlig analog.
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Für die vorstehende allgemeine Betrachtung ist die
Frage nach dem besonderen Feldgesetz sekundär. Die Hauptfrage ist
gegenwärtig, ob eine Feldtheorie von der hier ins Auge gefaßten
Art überhaupt zum Ziele führen kann. Es ist damit eine Theorie
gemeint, welche das Physikalisch-Reale (mit Einschluß des vierdimensionalen
Raumes) durch ein Feld erschöpfend beschreibt. Die gegenwärtige
Physiker-Generation ist geneigt, diese Frage mit Nein zu beantworten;
sie glaubt im Anschluß an die gegenwärtige Form der Quantentheorie,
daß der Zustand eines Systems nicht direkt, sondern nur indirekt
durch Angabe der Statistik der an dem System erzielbaren Meßresultate
charakterisiert werden kann; es ist die Überzeugung vorherrschend,
daß die experimentell gesicherte Doppelnatur (Korpuskulare und Wellenstruktur)
nur durch solche Abschwächung des Realitätsbegriffes erzielbar
sei. Ich denke, daß ein so weitgehender theoretischer Verzicht durch
unser tatsächliches Wissen einstweilen nicht begründet ist und
daß man sich nicht davon abhalten lassen soll, den Weg der relativistischen
Feldtheorie zu Ende zu denken.
Notes
22Begründung.
Nach der NEWTONschen Theorie enden in einer Masse m eine Anzahl
,,Kraftlinien, welche aus dem Unendlichen kommen, und deren Zahl
der Masse m proportional ist. Ist die Dichte p0
der Masse in der Welt im Mittel konstant, so umschließt eine Kugel
vom Volumen V im Durchschnitt die Masse p0V.
Die Zahl der durch die Oberfläche F ins Innere der Kugel eintretenden
Kraftlinien ist also proportional p0V. Durch
die Oberflächeneinheit der Kugel treten also Kraftlinien ein, deren
Zahl p0V/F oder p0R
proportional ist. Die Feldstärke an der Oberfläche würde
also mit wachsendem Kugelradius R ins Unendliche wachsen, was unmöglich
ist. Back
23Für
den ,,Radius R der Welt ergibt sich nämlich die Gleichung
R2 = 2/kr.
Bei Verwendung des C-G-S-Systems
ist hierbei 2/k = 1,08 ´ 1027;
r ist die
mittlere Dichte der Materie. Back
24Dieser
Ausdruck ist cum grano salis zu nehmen. Back
25KANTs
Versuch, das Unbehagen durch Leugnung der Objektivität des Raumes
abzuschaffen, kann doch kaum ernst genommen werden. Die Lagerungsmöglichkeiten,
verkörpert durch den Innenraum einer Schachtel, sind in demselben
Sinne objektiv wie die Schachtel selbst und die in demselben lagerbaren
Objekte. Back
26Zum
Beispiel kann die auf akustischem Wege erlangte zeitliche Ordnung von
Erlebnissen mit der visuell gewonnenen zeitlichen Ordnung differieren,
so daß man die zeitliche Ordnung der Ereignisse mit der zeitlichen
Ordnung der Erlebnisse nicht einfach identifizieren kann. Back
27Diese
nicht exakte Ausdrucksweise mag hier genügen. Back
28Denkt
man das Raum-Erfüllende (z.B. das Feld) weggenommen, so bleibt immer
noch der metrische Raum gemäß (1) übrig, der auch für
das Trägheits-Verhalten eines in ihn gebrachten Probekörpers
bestimmend wäre. Back
29Die
Verallgemeinerung kann man wie folgt charakterisieren. Das reine Gravitationsfeld
der gik hat gemäß seiner Herleitung aus dem
leeren ,,MINKOW5KI-Raum die Symmetrie-Eigenschaft gik
= gki (g12 = g21
usw.). Das verallgemeinerte Feld ist von derselben Art, aber ohne die
genannte Symmetrie-Eigenschaft. Die Ableitung des Feldgesetzes ist der
des Spezialfalles der reinen Gravitation völlig analog. Back
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